Züchten mit Zukunft

Tierzuchtfonds

 

Züchten mit Zukunft

Die moderne Tierzucht findet heute weniger im Stall statt als im Reagenzglas. Rinder, Schweine, Puten und Hühner sind genormt, perfekt auf die Ansprüche der Menschen angepasst. Aber was ist eigentlich mit den Ansprüchen der Tiere?

Immer mehr, immer schneller − Mensch und Tier können dem Druck des industriellen Agrarsystems kaum noch standhalten.

Folgenreicher Fokus auf Ertrag

Das moderne Industrieschwein hat einen besonders hohen Anteil an magerem Fleisch, braucht weniger Futter und wächst trotzdem schneller als die bäuerlichen Rassen vor einigen Jahrzehnten. Legehennen legen statt den naturgemäßen 50 Eiern an die 300 Eier pro Jahr. Milchkühe geben jährlich unvorstellbare 16.000 Liter Milch − werden aber bereits nach drei bis vier Jahren geschlachtet, weil die Milchleistung nachlässt.
Die Hochleistungszucht bleibt nicht ohne Folgen: Die Tiere leiden unter unerwünschten Nebenwirkungen, sind anfälliger für Stress und bestimmte Krankheiten. Als Konsequenz steigen die Tierarztkosten, werden häufiger Medikamente wie Antibiotika verschrieben. Es geht um Produktionszeit statt um Lebenszeit.

Heckrinderherde auf einer Weide

Gut, dass es erfolgreiche Alternativen gibt.

Dass es auch anders geht, zeigt der Tierzuchtfonds. Diese gemeinsame Initiative der Schweisfurth Stiftung, des Deutschen Tierschutzbundes und der Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat sich der artgemäßen Zucht der in der Landwirtschaft gehaltenen Tiere verschrieben. Das bedeutet: Statt Tiere einseitig auf Hochleistung zu selektieren, wird bei den Projekten des Tierzuchtfonds vor allen Dingen auf Gesundheit, Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und den Erhalt bedrohter Nutztierrassen geachtet. Denn die bäuerliche Zucht hat in den vergangenen Jahrhunderten eine große Vielfalt an Tierrassen hervorgebracht. Sie sind eben gerade nicht genormt, sondern unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Statur, ihre Ansprüche, ihre Eignung. So entstanden Rinderrassen, die bestens mit feuchtem Klima, felsigen Hängen oder moorigen Böden auskommen; Hühner, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen; Schweine, die besonders gute Muttereigenschaften haben oder solche, die den Großteil des Jahres problemlos im Freien leben können.

Vielfalt erhalten

Gerade im Kontext der fortschreitenden Klimaerwärmung spielt genetische Vielfalt eine besondere Rolle bei der Anpassung an die veränderten Umweltbedingungen. Deshalb arbeitet der Tierzuchtfonds daran, dass Tiere an lokale Gegebenheiten bestens angepasst sind. Die Projekte des Tierzuchtfonds bringen die Stiere wieder auf die Bauernhöfe, lassen männliche Geschwisterküken leben und sorgen dafür, dass die vielfältigen alten Haustierrassen überleben − um nur einige Beispiele zu nennen.

Schirmherrin der Initiative ist Spitzenköchin Sarah Wiener.

Kurz & knapp

Projektzusammenfassung

Projektname: Tierzuchtfonds
Startschuss: 2004
Status:
läuft
Wirkungskreis:
regional
Zielgruppe:
Verbraucher, Züchter, Landwirte, Tierschutzorganisationen
Maßnahme:
Trägerschaft
Ansprechpartner/in: Annika Bromberg und Oliver Willing, Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Mehr unter: tierzuchtfonds.de

Themen: Ethik, Tierschutz, Tierwohl, Tierzucht, Zweinutzungshuhn

Kooperationspartner

Tierwohl

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