Mit wachsender Weltbevölkerung rücken landwirtschaftlich genutzte Flächen als globale Ressource in den Fokus, denn über 95 % der menschlichen Nahrung stammen von Ihnen (1). Der Tierhaltung und den tierischen Lebensmitteln wird hoher Flächen-Ressourcenverbrauch vorgeworfen, denn sie würden über 80 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche beanspruchen, aber nur mit 42% des Proteins bzw. 18% der Energie zur Welt-Ernährung beitragen (2).
Viele Zukunftsmodellierungen von Ernährung und Landwirtschaft setzen deshalb auf die Reduktion besonders von Rindern, Rindfleisch und Milch, obwohl damit viel Grünland verbunden ist.
Die Landfläche wird als Ernährungsressource häufig nicht ausreichend differenziert und regionalisiert betrachtet. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche der Welt besteht zu 70% aus Dauergrünland (3,4), kann großteils nicht als Ackerland genutzt werden und ist zudem regional ungleich verteilt. Die Umwandlung in Acker verursacht zudem klimaschädliche Landnutzungsänderung (LandUseChange).
Die nichtessbaren Pflanzen der Wiesen und Weiden des Grünlands dienen als Futtermittel für Rinder, Schafe und Ziegen und ermöglichen so erst die Erzeugung tierischer Lebensmittel.
Um den Landverbrauch der Ernährung korrekt zu bewerten, müssen Lebensmittel und Futtermittel ihrer Herkunft nach, den Acker- oder den Dauergrünlandflächen zugeordnet werden (5, 6).
Dauergrünland stellt keine Nahrungskonkurrenz zur Landfläche der Äcker dar, bleibt jedoch, trotz seiner Größe, als wichtige Ressource oft undiskutiert.
Landverbrauch – Land ist nicht gleich Land
Ackerflächen (cropland) können zur Erzeugung vielfältiger pflanzlicher Früchte genutzt werden, die großteils direkt der menschlichen Ernährung zur Verfügung stehen (Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte). Sie sind eine zentrale Ressource und werden als planetarische Begrenzung menschlicher Ernährung hervorgehoben (7).
Die weltweite Intensivierung des Ackerbaus durch Stickstoff-Mineraldünger, Pestizide und Bewässerung (4, 9) steigerte die Erträge gut lager- und transportfähiger Kulturen wie Mais, Weizen, Soja und Gerste, die aber zu großen Teilen nicht der Humanernährung dienen, sondern als Tierfutter genutzt werden. Sie waren Treiber der Ausweitung intensiver Schweine-, Geflügelmast und Legehennenhaltung sowie verstärkter Milcherzeugung (10). Entsprechend „belegt“ derartige Tierproduktion große Teile der globalen Ackerflächen. Etwa 36 % der Kalorien und 53% des Proteins der Haupterntefrüchte der globalen Äcker werden an Tiere verfüttert (11). In der Reihenfolge des Land-Ressourcenverbrauchs stehen Rinder allerdings am Ende, denn der Großteil ihres Futters besteht aus Grünlandpflanzen (12).
Wieviel und welches Land belegen Tiere?
Um den Verbrauch der Landressourcen der Ernährung qualifiziert zu bewerten, muss zwischen Ackerland und Grünland unterschieden werden. Schweine und Hühner verbrauchen Ackerland. Rinder können potentiell ohne Ressourcenverbrauch des Ackers, nur grünlandbasiert Lebensmittel erzeugen, die aktuelle intensive Rindermast und Milcherzeugung stützen sich jedoch überwiegend auf Futtermittel aus Ackerland. (siehe Tabelle Ackerland-Ressourcenverbrauch)
Soll der planetarische Landverbrauch der tierischen Ernährung verringert werden, muss der Verzehr von Schweine- und Geflügelfleisch und Eiern sinken. Gleichzeitig sollte mehr Milch und Rindfleisch aus weide- und grünlandbasierter Rinderhaltung verzehrt werden. Dadurch ließen sich der Ressourcenverbrauch des Ackerlands und Nahrungskonkurrenz deutlich verringern. Es wäre mehr pflanzliche Nahrung für Menschen verfügbar.
Ein höherer Konsum von Milch und Rindfleisch aus derart ernährungspositiver Rinderhaltung mit hohen Anteilen von Grünland-Futter (Weidegras, Wiesengras, Heu, Silage), würde den Ackerland-Verbrauch, die Nahrungskonkurrenz und die Lebensmittelverluste durch Fütterung an Tiere deutlich verringern.
Warum sind Rinder herausragend ernährungspositive Tiere?
Futtermittel für Tiere enthalten häufig menschlich essbare Anteile aus Ackerbau, das verursacht Nahrungskonkurrenz. Die Fütterung von essbarem Mais, Weizen, Soja und Gerste an Tiere geht zudem einher mit Lebensmittelverschwendung: Bei der Umwandlung essbarer Futtermittel in tierische Lebensmittel treten in den Tieren Verluste auf. So erscheint nur ein Bruchteil der Energie und des Proteins des Futters später wieder in den Lebensmitteln. Menschliche Nahrung geht verloren, die Tiere sind „ernährungsnegativ“.
Werden jedoch Rinder mit hohen Anteilen an „nichtessbarem“ Gras, weide- und grünlandbasiert und mit nur wenig Kraftfutter gefüttert, kehren sie zu ihrer historischen Rolle als zentrale Nutztiere zurück: Sie sind „ernährungspositiv“ und erzeugen mehr essbare Lebensmittel, als an sie gefüttert wird.
Ist die Zahl > 1 liefern die Tiere netto Lebensmittel (Energie oder Eiweiß). (Siehe Tabelle LKE)
Quellen
(1)
(1) FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 53
(2)
(2) FAOSTAT, Food Supply (Kcal) und Protein, 2023, World Total, Grand Total, Vegetal Prod, Animal Prod, Abruf 1.2.2026, https://www.fao.org/faostat/en/#data/FBS
(3)
(3) FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Table 3, Agricultural Land by Use 2021
4)
(4) IPCC (2019) Summary for Policymakers. S.8 In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems, https://doi.org/10.1017/9781009157988.001
Quellenangaben:
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 53
- FAOSTAT, Food Supply (Kcal) und Protein, 2023, World Total, Grand Total, Vegetal Prod, Animal Prod, Abruf 1.2.2026, https://www.fao.org/faostat/en/#data/FBS
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Table 3, Agricultural Land by Use 2021
- IPCC (2019) Summary for Policymakers. S.8 In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems, https://doi.org/10.1017/9781009157988.001
- Flachowsky, G. et al. (2017) Land Use for Edible Protein of Animal Origin—A Review
- O’Mara, F.P. (2012) The role of grasslands in food security and climate change, Annals of Botany 110: 1263–1270, 2012, doi:10.1093/aob/mcs209
- Eat-Lancet Commission (2019), Summary Report, Healthy Diets for Sustainable Food Systems
- Willet, W. et al. (2019) Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets for sustainable food systems
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 15, Figure 16
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 26, Figure 28
- Cassidy E.S. (2013) Redefining agricultural yields: from tonnes to people nourished per hectare, Table 2 doi:10.1088/1748-9326/8/3/034015
- Schader C et al. (2015) Impacts of feeding less food-competing feedstuffs to livestock on global food system sustainability. Figure 3, J. R. Soc. Interface 12: 20150891. http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2015.0891
- Mück U. (2023) Wiesen und Weiden in den Warenkorb – Über die Ernährungsökologie des Grünlands, Kritischer Agrarbericht 2023, S.160-164