[H1]. Eine Überschrift mit dem Haupt-Keyword, z. B. Projektitel.
[H5]. Slogan – Untertitel
Hier steht der Introtext/Vorspann. Idealerweise entspricht der Introtext einer Projektseite auch dem Fließtext im Projektteaser.
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Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Projektname
Laufzeit: seit Jahreszahl bzw. von Jahreszahl bis Jahreszahl
Wirkungskreis: Wirkungskreis angeben
Zielgruppe: Zielgruppe(n) angeben
Maßnahmen: Maßnahmen angeben
Mitwirkende (optional, falls notwendig): Namen Mitwirkende, z. B. Expert:innen
Copyright/Foto:
Kontakt
Vorname Name
Projektmanager Themenbereich
Tel. +49 89 179595-xx
Mobil + 49 175 xxxxxx
name@schweisfurth-stiftung.de
Links (optional)
Kurze Info zum Link:
www.xy.de
Download (optional)
Hier kann man Dokumente wie zum Beispiel Flyer als PDF zum Download bereitstellen.
Projektpartner:innen: / Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Kuhgebundene Kälberaufzucht
Echtes Tierwohl von Anfang an!
In Deutschland werden jedes Jahr fast vier Millionen Kälber geboren. In der Regel werden sie kurz nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt, denn die Tränke aus dem Nuckel-Eimer gilt als ökonomisch vorteilhafter als eine Aufzucht durch die Mutterkuh. Ein Ausleben von artgerechtem Verhalten wie Saugen am Euter und Ablecken des Kalbes durch die Kuh ist so nicht möglich.
Es geht auch artgerechter!
Eine tierfreundlichere Alternative zu den heute gängigen Tränke- und Aufzucht-Systemen von Kälbern ist die kuhgebundene Aufzucht. Dies bedeutet, dass die Kälber von der eigenen Mutter oder einer Ammenkuh gesäugt werden und täglich Kontakt mit erwachsenen Kühen haben. Studien zeigen, dass sich dies positiv auf Gesundheit, Entwicklung und Sozialverhalten der Kälber auswirkt. Dabei profitieren – neben den Kälbern – auch die Landwirte: Sie berichten häufig, dass ihnen durch die kuhgebundene Kälberaufzucht die Arbeit mit den Tieren mehr Freude bereitet und die monotone Arbeiten der Eimertränke wegfallen.
Nur eine kuhgebundene Kälberhaltung ist mit den ethischen Grundsätzen der ökologischen Agrarkultur vereinbar.
Herausforderung für die Praxis
Trotz dieser Vorteile für Mensch und Tier wird die kuhgebundene Aufzucht nur von sehr wenigen Milchviehbetrieben praktiziert. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen sprechen wirtschaftliche Faktoren dagegen. So lange die Preise für Produkte aus dieser Haltungsform die höheren Kosten nicht decken, stellt dies eine Hürde für die Landwirte dar. Zum anderen fehlt es häufig an Wissen bei Praktikern, Fachberatern und Stallbauplanern wie eine kuhgebundene Kälberaufzucht praktisch umgesetzt werden kann.
Es gibt Handlungsbedarf!
Nur eine kuhgebundene Kälberhaltung ist mit den ethischen Grundsätzen der ökologischen Agrarkultur vereinbar. Deshalb setzt sich die Schweisfurth Stiftung aktiv für die Ausbreitung der kuhgebundenen Kälberhaltung ein. Im Rahmen des Projekts „Kuhgebundene Kälberaufzucht“ werden konkreten Lösungen zur Förderung dieser Haltungsform sowie deren Umsetzung in der Praxis erarbeitet. Maßnahmen sind die Organisation von Praxis-Dialogen mit interessierten Akteuren und die Präsentation des Themas auf Veranstaltungen. Auf diese Weise wird der Erfahrungsaustausch und der Wissenstransfer zwischen Milchviehalten, Wissenschaftler und potenziellen Marktpartnern gefördert.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Kuhgebundene Kälberaufzucht
Laufzeit: seit 2018
Wirkungskreis: bundesweit
Zielgruppe: Milchviehhalter:innen, Fachberater:innen, Vermarkter:innen von Milch, Milchprodukten und Kälber, Verbraucher:innen
Maßnahmen: Planung und Durchführung von Informationsveranstaltungen, Netzwerktreffen und Praxis-Dialogen, Aufbau eines Netzwerks von Akteur:innen aus Praxis, Wissenschaft, Multiplikator:innen und Handel, Schaffung von Bewusstsein für das Thema bei Landwirt:innen sowie Verbraucher:innen
Kontakt
Saro Gerd Ratter
Projektmanager: Tierwohl
Tel. +49 89 179595-11
Mobil +49 174 2093137
sratter@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Kay Blaschke
Links
Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie bei der Interessensgemeinschaft kuhgebundene Kälberaufzucht e.V. www.ig-kalbundkuh.de
Programm Kälberpatenschaften
Lasst das Kalb bei seiner Mutter!
In Deutschland werden Kuh und Kalb in der Regel kurz nach der Geburt getrennt – auch in der Bio-Landwirtschaft. Ab einem Alter von vier Wochen werden dann die meisten männlichen Bio-Kälber verkauft und in konventionelle Mastbetriebe gebracht. Als Kälberpatin oder -pate ermöglichen Sie Kälbern und Kühen gemeinsame Zeit – und männlichen Kälbern ein Leben auf dem Biohof.
Ich möchte, dass meine Kälber alles erhal-
ten, was sie zum Wachsen und Gedeihen brauchen. Die natürliche Bindung zu ihren Müttern bewahrt sie vor unnötigem Stress.
Marina Stürzer, Hairerhof
Mit einer Patenschaft schenken Sie Kuh und Kalb gemeinsame Zeit.
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Bauernhof. Ein Kalb wird geboren: Liebevoll leckt die Kuh es ab. Das eigene Kind ist das Wichtigste auf der Welt. Und für das Kalb ist die Mutter ein Teil von ihm.
Doch das landwirtschaftliche System in Deutschland verhindert eine natürliche Mutter-Kalb-Beziehung – aus ökonomischen Gründen. Meistens werden beide direkt nach der Geburt getrennt. Auch in der Bio-Landwirtschaft. Und was viele nicht wissen: Da die Nachfrage nach Bio-Fleisch viel geringer ist als die nach Bio-Milchprodukten, benötigen die Bio-Höfe deutlich weniger männliche Kälber als weibliche. Deswegen haben männliche Kälber dort meist keine Zukunft und werden im Alter ab vier Wochen verkauft – und zwar in die konventionelle Mast. Das bedeutet oft lange Tiertransporte, systematische Behandlungen mit Antibiotika und ein Leben auf Spaltenböden ohne Auslauf ins Freie.
Ihre Patenschaft stärkt Bio-Höfe.
Kälber aus unserem Patenschaftsprogramm bleiben mindestens drei Monate lang bei einem Muttertier. Außerdem werden männliche Kälber danach nicht in die konventionelle Mast abgegeben, sondern bleiben auf einem Bio-Hof. Weiter unten auf dieser Seite können Sie alle Kälber sehen, die aktuell Patinnen und Paten brauchen.
Suchen Sie sich Ihr Patenkalb aus und entscheiden Sie sich für Ihren Spendenbetrag. Für ein Kalb benötigen wir 250 Euro. Sobald der Betrag zusammengekommen ist, nehmen wir das Kalb in das Programm Kälberpatenschaft auf.
Langfristig den Markt verändern
Hartnäckig hält sich die Erzählung, dass das Leid der Kälber und Mütter für die Wirtschaftlichkeit des Hofs unvermeidlich ist. Einige Betriebe beweisen schon jetzt das Gegenteil. Mit dem Programm Kälberpatenschaft wollen wir mit Ihrer Unterstützung Höfen die kuhgebundene Kälberaufzucht ermöglichen und damit der Politik Fördermöglichkeiten für mehr Tierwohl aufzeigen.
Neue Wege für eine tierfreundliche Landwirtschaft
Gerne lassen die Bio-Landwirt:innen, mit denen wir kooperieren, ihre Kälber länger als üblich bei der Mutter aufwachsen. Das ist gut für die Tiere und macht so auch den Landwirt:innen mehr Freude bei der Arbeit. Um das finanziell zu ermöglichen, unterstützen wir sie mit dem Programm Kälberpatenschaft. So fördern wir eine Landwirtschaft, die die Bedürfnisse von Mensch und Tier wahrnimmt und respektiert.
So werden Sie Pate oder Patin:
- Lernen Sie die Patenkälber kennen (nach unten scrollen).
- Entscheiden Sie sich für Ihr Kalb
- oder wählen Sie Ihren Spendenbetrag (auch weniger oder mehr als 250 Euro sind möglich).
Kurz & Knapp
Projektübersicht
Projekt: Kälber-Patenschaftsprogramm
Laufzeit: seit 2024
Wirkungskreis: bundesweit
Zielgruppe: Tierfreunde, Milchbauern mit kuhgebundener Kälberaufzucht
Maßnahmen: Aufbau eines Patenschaftsprogramms für Kälber in der Milchviehhaltung, die kuhgebunden aufgezogen werden, Vermittlung von Patenschafts-Spenden an Milchbäuer:innen, die Kälber kuhgebunden aufziehen, Schaffung von Bewusstsein für das Thema kuhgebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung bei Verbraucher:innen
Kontakt
Saro Gerd Ratter
Projektmanager: Tierwohl
Tel. +49 89 179595-11
Mobil +49 174 2093137
sratter@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Kay Blaschke
Unsere Partner-Höfe
Hairerhof
Der Hairerhof ist ein Demeter-Betrieb im Landkreis Miesbach.
Marina und Albert Stürzer halten dort 35 Milchkühe. Es wird Heumilch für die Bio-Heumilchbauern aus Bayern produziert.
Sie haben zwar keinen Hofladen, aber bieten Hofführungen und Mitmachangebote für Schulklassen, Kindergartenkinder, Familien und Erwachsene gleichermaßen. Außerdem viermal im Jahr Verkaufsaktionen für gutes Bio-Rindfleisch.
Herrnbauerhof
Der Herrnbauerhof ist seit 1567 bzw. gut 15 Generationen im Familienbesitz. Mit einer entschleunigten Wirtschaftsweise, die man vielleicht als „langsam“ bezeichnen könnte, lässt es sich auf dem Hof für die Familie Bichlmair mit 4 Kindern sehr gut leben. Sie ernten durch Hingabe in ihre täglichen Arbeiten einen reichen Schatz an innerer Zufriedenheit und Sicherheit.
Familie Bichlmair kümmert sich um rund 21 Milchkühe. Diese sind Tag und Nacht auf der Weide und gehen nur für die Melkzeit in den Stall zum Arbeiten (außer in den Wintermonaten). Die Kälber werden mindestens 3 Monate Mutter- oder Ammengebunden aufgezogen.
Der Herrnbauerhof ist ein reiner Grünlandbetrieb und wird seit 2015 biologisch bewirtschaftet. Auf den Flächen haben viele Wildkräuter ihr zu Hause wiedergefunden, welche von der Familie zum Verfeinern von Öl und Salz verwendet werden. Daraus entsteht zum Beispiel das hauseigene Kräutersalz, welches neben einigen weiteren Erzeugnissen im eigenen Hofladen zum Verkauf angeboten wird.
Seitzenhof-Reßle
„Wir, die Familie Reßle, bewirtschaften unseren Hof im idyllischen Schongau bereits in der 5. Generation und seit 3 Jahrzehnten nach Bioland-Richtlinien. Für uns ist das viel mehr als nur eine Zertifizierung – es ist eine Lebenseinstellung.
Auf unserem Heumilchbetrieb leben 18 Milchkühe, 10 Mutterkühe zur Kälberaufzucht, 20 Mutterschafe plus deren Lämmer, 13 süddeutsche Kaltblüter, 4 Ponys, 30 Hühner, 2 Schweine und 4 Katzen.
Genauso vielfältig wie unsere Tierarten am Hof, ist auch das Angebot an unseren Produkten. Wir bieten unseren Kunden frische Heumilch, Eier, Fleisch- und Wurstwaren, diverse Milchprodukte, Dinkel und Roggen, saisonales Obst und Lammfelle zum Kauf an. Wir glauben an Vielfalt statt Massenproduktion und an Qualität statt Quantität.
Des Weiteren beteiligen wir uns seit 2024 am Programm „Erlebnis Bauernhof“ und ermöglichen damit Schulklassen einen Einblick in einen kleinbäuerliche, aber doch sehr umfangreiche biologisch geführte Landwirtschaft.
Auch die Pferdezucht und das Angebot von Kutsch- und Schlittenfahrten bilden einen wesentlichen Bestandteil unseres Betriebes.
Der Seitzenhof verfügt zudem über Ferienwohnungen, die Erholungssuchende einen idealen Rückzugsort im malerischen Pfaffenwinkel bieten“.
TransformDairyNet
Ein Projekt zur Weiterentwicklung des Milchsektors
Die Schweisfurth Stiftung engagiert sich seit 2024 im EU-Projekt TransformDairyNet als sogenannte nationale Netzwerkmoderatorin für Deutschland. Die Initiative bringt Interessenvertreter:innen aus dem gesamten Milchsektor zusammen, um Tierschutz, Nachhaltigkeit und Rentabilität zu verbessern. Wir haben eine Gruppe von 20 Milchviehbetrieben aufgebaut und begleiten diese bei der Entwicklung praxistauglicher Lösungen für eine kuhgebundene Kälberaufzucht.
Kuh-Kalb-Kontakt-Systeme
TransformDairyNet ist darauf ausgelegt, die Milchindustrie durch Kuh-Kalb-Kontakt-Systeme (Cow-Calf Contact, CCC) zu mehr Tierwohl zu entwickeln. Die Initiative bringt Landwirt:innen, Forscher:innen, NGOs und Branchenexpert:innen zusammen, um nachhaltige Praktiken in der Milchwirtschaft zu fördern. Dabei stehen das Tierwohl, die ökologische Nachhaltigkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit im Vordergrund.
Eine gemeinschaftliche europäische Anstrengung
Transform DairyNet ist ein Beitrag zur Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Union und spiegelt die gesellschaftliche Forderung nach nachhaltigen und tierfreundlichen Lebensmittelproduktionssystemen wider. Das Projekt nutzt das Fachwissen von 26 europäischen Partner:innen aus 14 Ländern. Dazu wurden elf nationale Innovations-Praxis-Hubs etabliert und ein europäisches Wissens- und Innovationsnetzwerk, das European Knowledge and Innovation Network (EKIN). Dieses Netzwerk besteht aus Milchbäuer:innen, Tierärzt:innen, Berater:innen, Akteur:innen der Lieferkette, Bauernverbänden, Forschenden und politischen Entscheidungsträger:innen. Sie arbeiten alle zusammen, um die CCC-Milchproduktion zu verbessern und auszuweiten.
Nationale Netzwerk-Moderator:innen (NNFs) leiten die Bildung nationaler Innovations-Praxis-Hubs (NIPs), in denen erfahrene sowie neue CCC-Landwirt:innen sowie Akteur:innen der Branche voneinander lernen und gemeinsam innovative Ideen und Praktiken erproben können.
Warum Veränderung notwendig ist.
Der Milchsektor befindet sich in einem fortlaufenden Veränderungsprozess. Aktuell werden die meisten Kälber kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Dies beeinträchtigt das Wohlergehen von Mutter und Kalb. TransformDairyNet zielt darauf ab, Landwirt:innen beim Ausbau von Systemen zu unterstützen, in denen Kälber über einen längeren Zeitraum bei ihren Müttern oder Ammenkühen bleiben können. Dies fördert natürliches Verhalten, die Tiergesundheit und den Tierschutz.
„Dies ist eine Reise des Lernens und der Innovation. Wir ändern nicht nur die Praxis – wir ändern die Kultur der Milchwirtschaft.“
Die Hauptziele des Projekts TransformDairyNet:
- Beschleunigung der CCC-Einführung: Schaffung eines europäischen Netzwerks, um die Bedürfnisse und Wissenslücken der Landwirt:innen zu adressieren und mehr Betrieben dabei zu helfen, Kälber länger bei ihren Müttern zu lassen.
- Austausch Best Practices: Kombination von wissenschaftlicher Forschung mit praktischer Erfahrung, um zum Nutzen der europäischen Milchwirtschaft bewährte Verfahren zu entwickeln und zu teilen.
- Innovation durch Reallabore (Living Labs): Nutzung nationaler Hubs zum Testen neuer CCC-Praktiken und Ideen, die sich mit den Bedürfnissen, Herausforderungen und Chancen der Landwirte befassen.
- Verbesserung der Kommunikation: Einsatz digitaler Werkzeuge zur Verbreitung von CCC-Wissen in ganz Europa.
- Sicherstellung einer dauerhaften Wirkung: Zusammenarbeit mit dem EU-FarmBook, um den Austausch von CCC-Wissen auch nach Projektende fortzusetzen.
Die Treffen des European Knowledge and Innovation Networks (EKIN)
Das erste EKIN-Treffen während der Laufzeit des Projekts TransformDairyNet fand vom 21. bis 23. Mai 2025 in Thessaloniki, Griechenland, statt. Fast 60 Personen und 57 Online-Teilnehmende aus insgesamt 14 Ländern waren dabei. Die Themen reichten von ethischem Management in der Milchwirtschaft und der Bewertung des Tierschutzes bis hin zur Marktpositionierung und Innovation auf Betriebsebene.
Aufbauend auf dem Erfolg der ersten EKIN-Veranstaltung in Thessaloniki veranstaltete TransformDairyNet am 20. Mai 2026 in Bukarest, Rumänien, das zweite European Knowledge and Innovation Network (EKIN)-Treffen mit einer Online-Streaming-Option für Fernteilnehmer. Die Veranstaltung brachte Projektpartner und Interessengruppen aus ganz Europa zusammen, um Erkenntnisse auszutauschen. Das Treffen stellte zudem die bisherigen Aktivitäten von TransformDairyNet vor und ermöglichte den Austausch über CCC-Innovationen. Im Kontext der sich entwickelnden Living Labs und der National Innovation Practice Hubs von TDN stellte das Treffen in Bukarest reale Herausforderungen und Lösungen sowie praktische Werkzeuge und Strategien vor.
Das nächste EKIN-Treffen ist 2027 in Italien geplant.
Für 17. und 18. März 2027 ist eine Farmer Share Fair in Deutschland geplant.
„Die Vorteile von Innovationen, die von Landwirt:innen vorangetrieben werden, sind offensichtlich, und der Workshop in Thessaloniki hat bereits neue grenzüberschreitende Partnerschaften und Ideen inspiriert.“
Was wir bisher erreicht haben:
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- Bildung einer Praxisgruppe mit ca. 20 Betrieben
- Erfolgreiche Beantragung eines Living Lab Projekts zum Thema Entwicklung von Unterstützungsangeboten für Umsteller auf Kuh-Kalb-Kontakt Systeme
- Organisation eines Praktikertags im Oktober 2025 in Oberbayern mit über 20 Teilnehmern aus Deutschland und Österreich
- Teilnahme am EKIN Treffen in Griechenland in 2025
- Teilnahme am EKIN Treffen in Rumänien in 2026
- Teilnahme an Online Treffen der Arbeitsgruppe Standardentwicklung
- Durchführung eines Webinars am 11.06.2026 mit dem Titel „Kuhgebundene Kälberaufzucht – Wie kann die Umstellung gelingen? Erfahrungen, Herausforderungen, Stallbaulösungen. YouTube
- Organisation eines Filmprojekts über das deutsche Living Lab auf drei CCC-Betrieben in Süddeutschland
- Organisation der Farmer Share Fair im März 2027 in Deutschland.
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Über Transform DairyNet
TransformDairyNet ist eine europäische Initiative, die im Rahmen des Horizon Europe-Programms finanziert wird. Die Koordination übernimmt das University College Dublin in Irland. Das Projekt widmet sich der Weiterentwicklung der Milchwirtschaft durch die Einführung von Kuh-Kalb-Kontakt-Systemen. Es vereint Akteure aus dem gesamten Milchsektor, um das Tierwohl, die Nachhaltigkeit und die Rentabilität im Einklang mit der Farm-to-Fork-Strategie der EU zu verbessern.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: TransformDairyNet
Laufzeit: von 2024 bis 2027
Wirkungskreis: Deutschland / Europa
Zielgruppe: Milchbäuer:innen, Tierärzt:innen, Berater:innen, Lieferkettenakteur:innen, Landwirtschaftsorganisationen, Forscher:innen und politische Entscheidungsträger:innen
Maßnahmen: Bildung und Moderation einer Praxisgruppe für Deutschland sowie Steuerung und Begleitung eines Living Lab Projekts zur Entwicklung von Unterstützungsangeboten für Umsteller:innen auf Kuh-Kalb-Kontakt Systeme
Mitwirkende: Milchviehhalter:innen, Fachberater:innen und weitere Akteur:innen des Milchsektors
Kontakt
Saro Gerd Ratter
Projektmanager: Tierwohl
Tel. +49 89 179595-11
Mobil +49 174 2093137
sratter@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Kay Blaschke
Links
Internationale Projektseite: www.transformdairynet.eu
Webinar: „Kuhgebundene Kälberaufzucht – Wie kann die Umstellung gelingen? Erfahrungen, Herausforderungen, Stallbaulösungen: YouTube
Download
TransformDairyNet Info-Flyer
Info-Flyer herunterladen
TransformDairyNet Living Labs Roll-up
Thema: Unterstützungsprogramme für Umstellung auf kuhgebundene Kälberaufzucht
Roll-up herunterladen
Projektpartner:innen: / Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch
Forschungsprojekt mehrWERT Öko-Milch+Fleisch
Bio-Milch und Bio-Fleisch gehören zusammen!
Bio-Milch und Bio-Fleisch gehören zusammen! Aktuell werden Milcherzeugung und Fleischerzeugung allerdings in der Regel nicht zusammen gedacht. Die Konsequenz: Nur in wenigen Fällen können die männlichen Kälber aus Öko-Milchviehbetrieben im Öko-Sektor gehalten werden. Das Forschungsprojekt mehrWERT Öko-Milch+Fleisch, gefördert vom Bayerischen Staatministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, beschäftigt sich genau mit dieser Problematik. Das Forschungsziel: Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, um Bio-Kälbern auch ein Bio-Leben zu ermöglichen. Durchgeführt wurde das dreijährige Forschungsprojekt von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Schweisfurth Stiftung.
Ein Bio-Leben für Bio-Kälber
Das Hauptziel des Forschungsprojektes ist es, Konzepte zu entwickeln, um mehr männliche Kälber aus ökologischer Produktion im Öko-Sektor zu halten sowie Möglichkeiten zur artgemäßen Aufzucht und der Vermarktung von Öko-Rindfleisch aufzuzeigen. Dazu ist das Projekt in drei Teilbereiche gegliedert:
- Im ersten Bereich liegt der Forschungsschwerpunkt auf der Analyse des Status Quo der Öko-Milchviehkälber und der Identifikation von Verbesserungspotenzialen. Dazu werden Daten von bayerischen Milchviehbetrieben erhoben und ausgewertet. Hauptverantwortlich ist dafür die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
- Im zweiten Forschungsbereich liegt der Fokus auf der ökonomischen Einordnung der Verfahren zur kuhgebundenen Kälberaufzucht. Im Rahmen dessen werden bei ca. 30 ausgewählten Betrieben die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Umstellung auf kuhgebundenen Kälberaufzucht untersucht. Hier übernimmt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft die Projektleitung.
- Der dritte Teilbereich umfasst den modellhaften Aufbau von neuen Wertschöpfungsketten für Milch und Fleisch aus kuhgebundener Kälberaufzucht. Diesen Forschungsschwerpunkt verantwortet die Schweisfurth Stiftung und bringt ihrer Erfahrung und Know-how aus dem Forschungsprojekt WertKalb und dem Stiftungsprojekt zur Kuhgebundenen Kälberaufzucht ein.
Mit jedem Liter Bio-Milch entstehen rund 30 Gramm Bio-Rindfleisch.
Bio-Milch und Bio-Milchprodukte sind von Verbraucher:innen stark gefragt, Bio-Rindfleisch hingegen nur sehr wenig – ein starkes Missverhältnis mit Folgen für Bio-Kälber.
Hintergrund: Bio-Milch und Bio-Fleisch gehören zusammen
Die hohe Spezialisierung der Milchproduktion ist mit der Erzeugung „überschüssiger“ Kälber verbunden: Um Milch geben zu können, müssen Kühe immer wieder kalben. Aber nur wenige Jungtiere werden für die Nachzucht benötigt. Die aktuellen Preise für Kälber decken in der Regel nicht die Kosten, die ein Landwirt oder eine Landwirtin für eine tierwohlgerechte Aufzucht benötigen würde. Ein zentraler Grund dafür ist das starke Missverhältnis der Nachfrage nach Bio-Milch und Bio-Rindfleisch: Bio-Milch und Bio-Milchprodukte sind seitens der Verbraucher:innen stark gefragt, Bio-Rindfleisch hingegen nur sehr wenig.
Ulrich Mück, Demeter-Berater in Bayern, hat ausgerechnet, dass je Liter Milch rund 30 Gramm Rindfleisch entstehen. Das heißt, für ein ausgewogenes Verhältnis von Milch und Fleisch müsste die derzeitige Nachfrage nach Bio-Rindfleisch stark steigen. Die Folge dieses Missverhältnisses: Der überwiegende Anteil der Kälber von Öko-Milchviehbetrieben wird an den konventionellen Viehhandel abgegeben und damit in eine weniger artgerechte Aufzucht. In der Verbreitung der kuhgebundenen Kälberaufzucht wird, neben der Steigerung des Tierwohls, auch das Potenzial gesehen der Erwartungen der Verbraucher:innen mehr zu entsprechen und damit den Absatz von Bio-Rindfleisch zu steigern und das Verhältnis von Milch und Fleisch wieder in eine bessere Balance zu bringen.
Kurz & Knapp
Projektübersicht
Projekt: mehrWERT Öko-Milch+Fleisch
Laufzeit: 2021 bis 2024
Wirkungskreis: Bayern
Zielgruppe: Bio-Milchviehbetriebe, Molkereien, Fleischverarbeitung sowie Wirtschaft und Gesellschaft
Maßnahme: Entwicklung und Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten
Kontakt
Saro Gerd Ratter
Projektmanager: Tierwohl
Tel. +49 89 179595-11
Mobil +49 174 2093137
sratter@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Kay Blaschke
Links
Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie bei der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: www.hswt.de/forschung/projekt/1603-mehrwert-oeko-milch-fleisch
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Info-Flyer: „Bio-Milch und Bio-Fleisch gehören zusammen“
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Projektpartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Grünland und
nachhaltige Beweidung
Leistungen und Potenziale
Beweidetes Grünland speichert Kohlenstoff, fördert die Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit und ist der natürliche Lebens- und Ernährungsraum von Rindern. Doch dieser wertvolle Naturraum ist bedroht – durch Umbruch, Intensivnutzung und das Verschwinden der Rinder von der Weide – hinein in den Stall.
Die Zusammenhänge zwischen Grünland, Beweidung, Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Nutzungsformen sind komplex. Für Landwirt:innen mit Tierhaltung, landwirtschaftliche Berater:innen und Entscheidungsträger:innen aus Politik und Verwaltung fehlt es an leicht zugänglichem Wissen, um die Potenziale nachhaltiger Grünlandbeweidung besser in ihrer Praxis und ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.
„Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.“
Hintergrund – Rinder auf Weiden als Zukunftsressource
Eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen besteht aktuell darin, unser Ernährungssystem so zu gestalten, dass es sich im Rahmen der planetaren Grenzen bewegt. Beweidetes Grünland spielt dabei eine herausragende Rolle. Denn Rinder und Grasland haben sich über Millionen Jahre hinweg in einer engen Koevolution entwickelt. Grasflächen bieten Rindern Futter, während die Tiere durch ihren Verbiss, Dung und Tritt die Artenvielfalt und Gesundheit des Grünlands fördern. Weidetiere sind damit ein Schlüsselfaktor zur Begrenzung des anhaltenden massiven Biodiversitätsverlusts und der Stabilisierung von Ökosystemen.
Rinder können für Menschen nicht verdauliches Gras in Fleisch und Milch umwandeln und damit lokal zur Ernährungssouveränität beitragen. Gras speichert große Mengen an Kohlenstoff über seine Wurzeln unterirdisch im Boden.
In den Böden unter Grasland befinden sich weltweit sogar etwa 50 Prozent mehr Kohlenstoff als unter Waldböden. Damit bekommt beweidetets Grünland eine wichtige Rolle im Klimaschutz.
Als Schweisfurth Stiftung möchten wir naturnahe Beweidung fördern, indem wir:
- die multifunktionalen Leistungen und Potenziale von Grünland und Weidetieren für unterschiedliche Zielgruppen leicht verständlich aufbereiten und über eine Webseite zugänglich machen,
- gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis das komplexe Thema fundiert und multiperspektivisch aufbereiten,
- die Relevanz der nachhaltigen Beweidung von Grünland mit Rindern für Klimaschutz, Agrobiodiversität,
- Tierwohl und Bodenbildung über Öffentlichkeitsarbeit auf die Agenda setzen – durch gezielte Angebote wie Praxisdialoge, Symposien und Hofbesichtigungen.
- landwirtschaftliche Betriebe praxisnah bei der Identifikation und der Umsetzung von Maßnahmen begleiten, die deren Beweidung nachhaltiger machen,
- Erkenntnisse aus dem Projekt anderen Betrieben und Regionen zur Verfügung stellen,
- für mehr nachhaltige Beweidung in der Breite der Praxis sorgen.
Die auf Höchstleistungen gezüchteten Rinder verschwanden innerhalb der letzten Jahrzehnte fast überall von der Weide in die Ställe.
Fatale Verluste
Grünland macht 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen weltweit aus. Es ist ein bedeutender Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Grünland ist jedoch unter anderem durch Landnutzungswandel akut bedroht. Auch in Deutschland wurden seit den 1960er Jahren viele Grünlandflächen umgebrochen, sodass sein Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nur noch unter 30 Prozent liegt. Das verbliebene Grünland wird zunehmend intensiv bewirtschaftet und verliert dadurch viele seiner wichtigen Funktionen.
Die auf Höchstleistungen gezüchteten Rinder verschwanden innerhalb der letzten Jahrzehnte fast überall von der Weide in die Ställe – mit fatalen Folgen für Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz und Tierwohl.
Im Rahmen des Projekts kooperieren wir mit der Bodenallianz Pfaffenhofen. Gemeinsam werden praxisnahe Ansätze für eine nachhaltige Beweidung entwickelt. Im ersten Schritt werden Pilotbetriebe – aktuell zwei ökologische und ein konventioneller Milchviehbetrieb – bei der Weiterentwicklung eines nachhaltigeren Beweidungsmanagements begleitet. Auf den Erkenntnissen des Projekts zu nachhaltigen Beweidungspraktiken soll später in anderen Regionen aufgebaut werden.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Grünland und nachhaltige Beweidung
Laufzeit: seit 2024
Wirkungskreis: deutschsprachiger Raum
Zielgruppe: Betriebe, landwirtschaftliche Beratungen, Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung, Öffentlichkeit
Maßnahmen: Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Kommunikation über eine Webseite, Praxisdialoge, Symposien und Veröffentlichungen, praxisnahe Betriebsbegleitung von Pilotbetrieben
Mitwirkende Expert:innen: Dr. Anita Idel, Ulrich Mück
Kontakt
Lioba Degenfelder
Projektmanagerin Tierwohl Nachhaltige Beweidung
Tel. +49 89 179595-17
ldegenfelder@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Carla Hauptmann
Link
Umfangreiche Website rund um das Thema nachhaltige Beweidung.
Voraussichtlich online ab Sommer 2026.
www.weidewissen.info
Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Öko-Junglandwirt*innen-Tagung
Die Felder von morgen beackern!
2006 hatte eine kleine Gruppe von Student:innen der Fachschule für Agrarwirtschaft in Kleve das Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerk ins Leben gerufen. Inzwischen zählt es bundesweit über 2.500 Interessierte. Ihr gemeinsames Anliegen: positive Veränderungen anstoßen, aktiv die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten und gemeinsam über aktuelle und auch kritische Themen des Ökolandbaus diskutieren – und mindestens ebenso wichtig: der Austausch untereinander und die gegenseitige Beratung.
Überverbandlich und überregional
Einmal im Jahr findet die Öko-Junglandwirt*innen-Tagung statt. Es ist das Herzstück des Netzwerks. Hier treffen sich Junglandwirt:innen, Gärtner:innen, Imker:innen, Winzer:innen, Schüler:innen und Studierende aus ganz Deutschland und „beackern gemeinsam die Felder von morgen“. Damit wurde ein Format geschaffen, welches einen verbandsübergreifenden fachlichen Dialog ermöglicht – mit Erfolg: 2019 verzeichnete die Tagung rund 180 Teilnehmer:innen.
Über das Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerk
Ressourcen schonen, fruchtbare Böden aufbauen und erhalten, Tierwohl stärken, Biodiversität fördern und viele weitere Themen stehen auf der Agenda des Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerks – und auch auf der der Schweisfurth Stiftung. Eine enge Zusammenarbeit liegt daher nahe. Im Januar 2021 übernahm die Stiftung die Trägerschaft für das Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerk von der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL), die das Netzwerk von Anfang an mit viel Engagement und Expertise begleitet und aufgebaut hat. Konkret bedeutet dies, dass die Schweisfurth Stiftung nun das ehrenamtliche Netzwerk-Team insbesondere bei administrativen Aufgaben unterstützt.
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Projektübersicht
Projekt: Öko-Junglandwirt*innen-Tagung des Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerks
Laufzeit: seit 2006
Wirkungskreis: deutschsprachiger Raum
Zielgruppe: junge Menschen mit Interesse am Öko-Landbau
Maßnahmen: jährliche stattfindende überregionale und überverbandliche Tagung in Fulda
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
Tel. +49 89 179595-15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Nora Klopp
Links
Zur Website des Öko-Junglandwirt*innen-Netzwerks: www.oejn.de
Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird von verschiedenen Organisationen, Unternehmen und privaten Spender:innen finanziell unterstützt.
Kontaktforum Hofübergabe
des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks
Ein Lebenswerk wird übergeben und ein neues möchte gleichzeitig entstehen – viel gegenseitiges Verständnis ist hier gefordert. Bei außerfamiliären und innerfamiliären Hofübergaben ist dies für beide Seiten oftmals ein existenzieller Moment, einhergehend mit vielen Visionen, Bedürfnissen, Sorgen und Hindernissen. Beim Kontaktforum Hofübergabe treffen sich Hofabgebende und Hofsuchende, um Ideen und Erwartungen auszutauschen und sich kennenzulernen.
Drei Tage – Zeit, für den Hofübergabeprozess
An drei Tagen wird in vertrauensvoller Atmosphäre ein Begegnungsraum für Hofabgebende und -suchende geschaffen. Gemeinsam wird erarbeitet, wie die außerfamiliäre Hofübergabe gelingen kann. Dafür werden Erfahrungsberichte, eine Hofbörse, sowie Workshops mit sozialen, rechtlichen, biographischen und wirtschaftlichen Fragestellungen angeboten. Der Hofübergabeprozess steht im Vordergrund:
Wo stehe ich? Kann ich loslassen? Was sind meine Ängste? Was wünsche ich mir? Was sind meine nächsten Schritte? Für all jene Fragen wird Raum für Austausch geschaffen. Der Schwerpunkt der Tagungsinhalte liegt auf der außerfamiliären Hofübergabe. Menschen, die eine innerfamiliäre Hofübergabe anstreben sind dennoch gleichermaßen herzlich willkommen.
Gemeinsam mit der Schweisfurth Stiftung (bis 2020 die SÖL)
organisiert das Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerk jährlich mindestens eine Veranstaltung zu diesem Thema. Dabei erfährt der Abgebende, wie er sein Lebenswerk loslassen und die Verantwortung übergeben kann. Auch der Nachfolger wird sich seines eigenen Weges bewusst und etabliert seine persönliche Arbeitsweise, um künftig den Hof alleine zu betreiben. Die Veranstalter:innen schaffen einen Raum, in dem sich Hofabgebende und -suchende kennenlernen können. Dabei steht der Austausch zwischen den Generationen im Vordergrund. Ein fachliches Rahmenprogramm greift zusätzlich finanzielle, organisatorische und soziale Aspekte der Hofübergabe auf.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Kontaktforum Hofübergabe des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks
Laufzeit: seit 2006
Wirkungskreis: deutschsprachiger Raum
Zielgruppe: Hofabgebende und Hofsuchende, junge Menschen mit Interesse am Öko-Landbau
Maßnahmen: jährliche stattfindendes Kontaktforum Hofübergabe an wechselnden Orten
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
Tel. +49 89 179595-15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Nora Klopp
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Zur Website des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks: www.oejn.de
Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird von verschiedenen Organisationen, Unternehmen und privaten Spender:innen finanziell unterstützt.
Zukunftspreis
des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks
Im Jahr 2016 wurde erstmals der Zukunftspreis des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks vergeben. Es ist ein Preis von Junglandwirt:innen für Junglandwirt:innen, für den sich alle jungen Menschen aus dem Bereich des Öko-Landbaus bewerben konnten.
Was den Zukunftspreis ausmacht
Jeder Weg beginnt mit einem Schritt. Manchmal auch mit einem kleinen. Auch der Weg in eine ökologische(re) Zukunft besteht aus vielen kleinen Schritten. Hast du als Praktikant:in oder Lehrling in einem Betrieb eine Maschine umgebaut, ein bodenfreundlicheres Anbausystem ausprobiert oder einen neuen Vermarktungsweg ins Rollen gebracht? Hast du im eigenen Betrieb einen Stall umstrukturiert, um eine artgerechtere Tierhaltung zu ermöglichen? Oder im Rahmen deines Studiums eine Projektarbeit verfasst, die auch anderen Menschen aus der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft Inspiration oder Hilfe sein kann? Oder ein innovatives neues Verarbeitungsunternehmen gegründet?
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Zukunftspreis des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks
Laufzeit: seit 2016
Wirkungskreis: deutschsprachiger Raum
Zielgruppe: junge Menschen mit Interesse am Öko-Landbau
Maßnahmen: 2jährlich Verleihung des Zukunftspreises auf der überregionale und überverbandliche Öko-Junglandwirt:inenn-Tagung in Fulda
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
Tel. +49 89 179595-15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Nora Klopp
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Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird von verschiedenen Organisationen, Unternehmen und privaten Spender:innen finanziell unterstützt.
Öko-Feldtage
Slogan – Untertitel
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Projektname
Startschuss: Jahreszahl
Status: läuft
Wirkungskreis: Wirkungskreis angeben
Zielgruppe: Zielgruppe(n) angeben
Maßnahmen: Maßnahmen angeben
Mitwirkende: Namen Mitwirkende
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Vorname Name
Projektmanager Themenbereich
Tel.: Telefonnummer
name [at] schweisfurth-stiftung.de
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Kurze Info zum Link:
www.xy.de
Projektpartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Mitmach-Regionen Initiative
Regionale Transformation anpacken!
Wenn viele sich zusammentun, können sie Großes erreichen und eine ungeheure Kraft für mehr Nachhaltigkeit entfalten. Jede:r kann seine Region zu einer Mitmach-Region machen: Bereits bestehende Initiativen und Vereine, engagierte Einzelpersonen, Menschen aus der öffentlichen Regionalentwicklung, oder dem Klimaschutzmanagement, Unternehmen, kommunalpolitisch Verantwortliche und viele mehr.
„Niemand von uns kann so viel bewirken, wie wir alle miteinander.” Elie Wiesel
Globale Herausforderungen brauchen lokale Lösungen!
Ziel des Projekts „Mitmach-Regionen Initiative“ ist, dass Menschen vor Ort die ökologische und soziale Transformation ihrer Regionen voranbringen. Zentrales Element dafür ist die Organisation einer Mitmach-Konferenz. Dort kommen alle Interessierten zusammen, um gemeinsam Lösungen und Aktionen zu finden, Projekte und Ideen in den unterschiedlichsten Bereichen zu entwickeln, sich auszutauschen und neue Netzwerke zu knüpfen.
Auf dem Weg zu einer solchen Mitmach-Konferenz und bei der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen werden die Regionen von unserem Team unterstützt. Neue Regional-Teams werden bei der Gründung und dem Aufbau von Mitmach-Regionen im Regionallabor begleitet. Dieses Begleitprogramm ist modular aufgebaut. Es gibt ein Online-Begleitprogramm, einen erprobten Werkzeugkasten und mit einem Aktionspool viele gute Best-Practise-Beispiele, auf die vor Ort zurückgegriffen werden kann. Alle Mitmach-Regionen werden sichtbar gemacht, miteinander vernetzt und inspirieren sich gegenseitig.
Weiterentwicklung zur Mitmach-Regionen Initiative
Die Mitmach-Regionen Initiative ist die übergeordnete Struktur welche die Regional-Teams der Mitmach-Regionen-Regionen aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol) begleitet und vernetzt. Die Initiative möchte Menschen stärken („empowern“), die ihre Region nachhaltig mitgestalten wollen. Damit sollen gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen vor Ort wirksamer angegangen werden. Durch Begleitung, Weiterbildungen und Vernetzung unterstützt die Mitmach-Regionen Initiative neue Regional-Teams beim Aufbau von Mitmach-Regionen und begleitet bestehende Teams bei ihrer Weiterentwicklung. Die Initiative ist 2024 aus dem Projekt der „100 Mitmach-Regionen“ hervorgegangen. Trägerorganisationen sind heute die Schweisfurth Stiftung und der Verein Pioneers of Change.
Einfaches Konzept, große Wirkung
Bei einer Mitmach-Konferenz kommen für einen oder mehrere Tage Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen, um darüber zu diskutieren wie sie konkret zur nachhaltigen Gestaltung der Region beitragen können. Es kann eine Landkarte erarbeitet werden, welche Initiativen es schon gibt, welche es vielleicht noch braucht und wie diese unterstützt werden können. Im Zentrum steht dabei das Mitmachen: Nach kurzen Impulsvorträgen werden an Thementischen gemeinsam konkrete Ideen und Umsetzungskonzepte erarbeitet oder an aktuellen Herausforderungen und nächsten Schritten bestehender Initiativen gearbeitet. Ziel ist es, dass die Teilnehmer:innen miteinander in den Dialog treten, sich vernetzen und dadurch Veränderungen anstoßen und neue Kooperationen in die Wege leiten.
Kostenfreier Online-Selbstlern-Kurs
Das Beteiligungsformat der „Mitmach-Konferenz“ (auch „Mitmach-Werkstatt“ genannt) hat sich in vielen Mitmach-Regionen als wirkungsvolles Format zur Vernetzung, zum Brückenbauen und zur Arbeit an konkreten Ideen für Herausforderungen in Regionen bewährt. Die Mitmach-Regionen Initiative stellt allen Interessierten einen kostenfreien Online-Selbstlern-Kurs zur Organisation von Mitmach-Konferenzen zur Verfügung, der jederzeit begonnen werden kann.
„Mit dem Format der “Mitmach-Konferenz” macht ihr positive Beispiele und Initiativen vor Ort sichtbar, findet gemeinsam Lösungen für sozial-ökologische Herausforderungen und arbeitet an konkreten nächsten Schritten für die nachhaltige Gestaltung eurer Region.“
Mitmach-Konferenz der Mitmach-Region Waldviertel
Am 8. März 2025 kamen in Waidhofen/Thaya (Österreich) rund 200 Teilnehmer- und Teilgeber:innen bei der 2. Mitmach-Konferenz in der Mitmach-Region Waldviertel zusammen. Ein gelungenes Beteiligungsformat bot den Menschen viel Raum für Austausch und Vernetzung. Link zum BLOG-Artikel
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Mitmach-Regionen Initiative
Startschuss: 2024 (Folge-Projekt der 2022 gestarteten „100 Mitmach-Regionen“)
Status: läuft
Wirkungskreis: deutschsprachiger Raum
Zielgruppe: alle gesellschaftlichen Akteure der Region: Initiativen, Vereine, engagierte Einzelpersonen, Menschen aus der öffentlichen Regionalentwicklung oder dem Klimaschutzmanagement, Unternehmen, kommunalpolitisch Verantwortliche
Maßnahmen: „Regionallabor“ Begleitprogramm (modular aufgebaut). Online-Selbstlern-Kurs „Mitmach-Konferenz organisieren“ kostenlos nutzbar.
Förderung: Aktuell hat die Mitmach-Regionen Initiative keine Förder:innen. Unser Vorgänger Projekt der „100 Mitmach-Regionen“ wurde gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie, die Software AG – Stiftung (SAGST) und die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Die Entwicklung des Online-Kurses und Handbuchs zur Organisation von Mitmach-Konferenzen wurde gefördert durch den Fonds Nachhaltigkeitskultur des Rates für Nachhaltige Entwicklung.
Kontakt
Dr. Matthias Middendorf
Projektmanager Stadt-Land-Tisch
Mobil +49 151 51188053
mmiddendorf@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Jörg Farys
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Projektseite der Mitmach-Regionen Initiative: www.mitmach-region.org
Informationen zum Online-Selbstlern-Kurs zur Organisation von Mitmach-Konferenzen: www.mitmach-region.org/mitmachen/mitmach-konferenz-organisieren/
BRIDGE
Brücken bauen für nachhaltige Regionen
Introtext Projektbeschreibung BRIDGE = auch Vorspann für Teaser
Text kommt von Almut und Matthias.
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Projektübersicht
Kontakt
Dr. Matthias Middendorf
Projektmanager Stadt-Land-Tisch
Mobil +49 151 51188053
mmiddendorf@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Jörg Farys
Projektpartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Das Organic Future Camp 2025
Junge Menschen gestalten die Agrarwende.
Junge Menschen gestalten die Agrarwende. Beim Organic Future Camp entwickelten mehr als 110 Teilnehmende einen 16-Punkte-Plan zur Transformation der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums konzipierte und organisierte die Schweisfurth Stiftung mit ihren Partnern einen Beteiligungsprozess mit Modellcharakter.
Vom 16. bis 18. Juni 2025 wurde das Wassergut Canitz in Sachsen zum Zukunftslabor. Es kamen dort 110 junge Menschen aus ganz Deutschland zusammen, um ihre Vision einer zukunftsfähigen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu entwickeln. Initiiert und finanziert vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) stellte das Organic Future Camp (OFC) ein neues, mutiges und erfolgreiches Beteiligungsexperiment dar, das direkt vor den Öko-Feldtagen am Wassergut Canitz stattfand.
„Ein mutiges, innovatives Jugendformat, das so erstmals stattgefunden hat.“
Beteiligung neu gedacht: ein innovatives Camp-Format
Zum OFC eingeladen waren junge Menschen zwischen 16 und 32 Jahren, um die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft von morgen mitzugestalten. Die Teilnehmenden kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen: aus ökologischer und konventioneller Landwirtschaft, aus der Lebensmittelverarbeitung, aus Umwelt- und Klimaschutz, Bildung, Wissenschaft und aus der Zivilgesellschaft. Rund die Hälfte befand sich noch in Ausbildung, die andere Hälfte im Arbeitsleben.
Zur Vorbereitung des OFC waren Ergebnisse früherer Beteiligungsprozesse analysiert worden, darunter der Zukunftskommission Landwirtschaft, des EU-Agrardialogs und der Biostrategie 2030. Das Junge Expertise-Team (JET), ein zehnköpfiges Team aus Engagierten, unter anderem der Landjugend, des Öko-Junglandwirt:innen-Netzwerks, der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, aus dem Natur- und Klimaschutz sowie des Bündnisses Junge ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft, wählte auf Basis der Analyse acht Themenschwerpunkte aus. Das Bundesministerium formulierte dazu in Abstimmung mit 26 Referaten konkrete Fragestellungen für das Camp.
Auf dem Wassergut Canitz erarbeiteten die Teilnehmer:innen des OFC dann in Kleingruppen, sogenannten „Reisegruppen“, zu den Schwerpunkten ihre Zukunftsbilder. Die Themen reichten von Zugang zu Land und Existenzgründung, gerechter Bodenpolitik und artgerechter Tierhaltung über sozial gerechte Arbeitsbedingungen bis hin zu Wissenstransfer, Verarbeitung und Vermarktung sowie Ernährungssystemen im Kontext globaler Verantwortung. Auch die neue Gentechnik wurde kritisch diskutiert.
„Die große Herausforderung bestand darin, in weniger als 48 Stunden, substanzielle Ergebnisse im Beteiligungsprozess mit über 100 Personen zu erarbeiten.“
Ein demokratischer Prozess, ein starkes Mandat
Mit großen Moderationsflächen im parkähnlichen Garten der ehemaligen ländlichen Bildungsgesellschaft, kreativ gestalteten Pavillonzelten, mobilen Whiteboards und kleinen Plenen verwandelten die Teilnehmer:innen das Camp in einen lebendigen Denk- und Arbeitsort voller Kreativität und Tatendrang. Im Mittelpunkt standen der Austausch und das gegenseitige Verständnis. Ziel war es, aus den Zukunftsbildern aller Reisegruppen eine gemeinsame Vision einer zukunftsfähigen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu erarbeiten. Es sollten nicht nur Forderungen gestellt, sondern auch Wege zur Umsetzung aufgezeigt werden. Impulse dafür erhielten die Teilnehmer:innen von Expertinnen und Experten.
„Die große Herausforderung bestand darin, in weniger als 48 Stunden, inklusive wissenschaftlichem Input, substanzielle Ergebnisse im Beteiligungsprozess mit über 100 Personen zu erarbeiten“, so Projektleiterin Nora Klopp von der Schweisfurth Stiftung. „Das Konzept ist aber durch die super motivierten und diversen Teilnehmenden perfekt aufgegangen.“ Das Ergebnis: Nahezu alle Punkte des gemeinsam erarbeiteten 16-Punkte-Plans fanden einstimmige Unterstützung, ein starkes Mandat.
Auf Augenhöhe mit Politik und Fachöffentlichkeit
Die gemeinsame Zukunftsvision inklusive eines 16-Punkte-Plans zur Transformation der Land- und Lebensmittelwirtschaft wurde nach zwei Tagen engagierter Arbeit auf der Hauptbühne der Öko-Feldtage an Dr. Burkhard Schmied, dem Leiter der Abteilung 7 für landwirtschaftliche Erzeugung, Gartenbau & Agrarpolitik im BMLEH, übergeben. Die Präsentation vor Fachpublikum, Medien und politischen Entscheidungsträger:innen war für die jungen Teilnehmer:innen ein besonderer Moment. Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin kommentierte: „Es beeindruckt mich, mit wie viel Engagement und Weitblick junge Menschen ihre Vision für die Land- und Lebensmittelwirtschaft von morgen formulieren. Die Ergebnisse des Organic Future Camps zeigen: Die nächste Generation will mitgestalten – verantwortungsbewusst, konstruktiv und lösungsorientiert. Diese Stimmen nehmen wir sehr ernst. Mein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten, die hier mit Herz und Verstand an der Zukunft arbeiten.“
Der 16-Punkte-Plan fordert eine umfassende Agrarwende mit Fokus unter anderem auf Vielfalt in der Wertschöpfungskette, Ressourcenschonung und regionalen Strukturen. Agrarökologische Bildung soll inklusiv, praxisnah und für alle Gesellschaftsschichten zugänglich sein. Die OFC-Teilnehmer:innen fordern faire Arbeitsbedingungen, den Schutz kleiner Betriebe sowie gerechten Zugang zu Land. Sie sprechen sich für eine stärkere Förderung des Ökolandbaus aus, lehnen neue Gentechniken ab und fordern, junge Perspektiven dauerhaft in politische Prozesse einzubinden.
Das Landwirtschaftsministerium will nun die Vorschläge in seinen Referaten prüfen und Rückmeldungen geben. Und in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurde ein internes „After Camp“ organisiert, in dem das Papier mit aktuellen Fördermaßnahmen abgeglichen wird. Diese Bearbeitung der Ergebnisse und der Rücklauf aus der Verwaltung stellt in Beteiligungsprozessen eine Besonderheit dar. Doch das ist den OFC-Teilnehmenden nicht genug: Sie fordern eine Fortsetzung des Camps – idealerweise bei den nächsten Öko-Feldtagen 2027. Ein entsprechender Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer wurde verschickt.
Schweisfurth Stiftung: Erfolgreiches Beteiligungsdesign aufgebaut
Für die Schweisfurth Stiftung war das OFC weit mehr als ein Projektauftrag. Als verantwortlicher Partner für Konzeption, Organisation und methodische Umsetzung war der Stiftung von Anfang an wichtig, ein Format zu konzipieren, das Beteiligung ernst nimmt, als Impuls für echte Transformation. Gemeinsam mit dem Ministerium, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (zuständig für Logistik), der Kommunikationsagentur m&p (zuständig für Kommunikation) und dem Jungen Expertiseteam konnten wir in kürzester Zeit ein neues Beteiligungsformat abstimmen, organisieren und erfolgreich durchführen. „Das OFC war mutig, innovativ – und in dieser Form ein Novum“, so Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Stiftung. Besonders in der Zusammenarbeit mit dem JET zeigte sich, wie junge Stimmen zu Expert:innen ihrer eigenen Zukunft werden, wenn man ihnen Raum gibt und Vertrauen schenkt.
Für die Schweisfurth Stiftung sind das Organic Future Camp 2025 und die fundierten Ergebnisse ein Auftakt für mehr Beteiligung. Sie wird sich weiter dafür einsetzen, dass junge Stimmen auch bei künftigen Öko-Feldtagen systematisch eingebunden werden. Denn das hat das OFC 2025 deutlich gezeigt: Die Zukunft der Landwirtschaft lässt sich sehr gut gemeinsam gestalten – generationenübergreifend, partizipativ und konstruktiv.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Organic Future Camp
Laufzeit: 2025
Wirkungskreis: Deutschland
Zielgruppe: Junge Menschen im Alter von 16 bis 32 Jahren, die gemeinsam eine Vision für eine zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft erarbeiten wollen.
Maßnahmen: Camp vom 16.-18. Juni 2025 direkt vor den Öko-Feldtagen, Erarbeitung einer Zukunftsvision, die an die Politik übergeben wird.
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
Tel. +49 89 179595-15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Nora Klopp
Links
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
www.bmleh.de
Das Organic Future Camp ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau – initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
T!Raum Greifswald
Transfer-Räume für gesunde Menschen, Tiere und Umwelt
Die Initiative „T!Raum One Health“ möchte einen Paradigmenwechsel einleiten und die ganze Region Vorpommern zu einer One-Health-Region weiterentwickeln.
„T!Raum“ steht für Transfer-Räume, in denen gemeinsam die Zukunft von Regionen gestaltet werden soll.
Bislang werden Natur, Tier- und menschliche Gesundheit strikt getrennt und gerade in der Wissenschaft überwiegend losgelöst voneinander behandelt. Der One Health-Ansatz hingegen folgt der Erkenntnis, dass die Gesundheit des Menschen eng mit der Gesundheit von Tieren und einer intakten Umwelt verbunden ist. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert in diesem Zusammenhang das bundesweit angelegte Projekt
T!Raum One Health. „T!Raum“ steht für Transfer-Räume, in denen gemeinsam die Zukunft von Regionen gestaltet werden soll.
Mitmach-Konferenzen für eine One-Health-Region Vorpommern-Greifswald
Gemeinsam mit der Uni Greifswald führt die Schweisfurth Stiftung in diesem Rahmen ab 2025 das Teil-Projekt „T!Raum One Health Projekt‚ Public Engagement“ mit dreijähriger Laufzeit in der Region Vorpommern durch. Gemeinsam mit Wissenschaft und Gesellschaft machen wir uns mit Beteiligungs-Formaten auf den Weg, das Verständnis für One-Health-Zusammenhänge aufzubauen, sie in die eigene Region zu übertragen und eigene One-Health-Aktivitäten zu starten. Drei größere Mitmach-Konferenzen stehen dabei im Zentrum und werden von kleineren Begegnungs- und Dialogformaten begleitet. Der wechselseitige Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in den Mitmach-Konferenzen soll langfristig dazu beitragen, eine One-Health-Region Vorpommern-Greifswald zu etablieren.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: T!Raum Greifswald
Laufzeit: seit 2024
Wirkungskreis: Region Vorpommern
Zielgruppe: alle gesellschaftlichen Akteure der Region: Initiativen, Vereine, engagierte Einzelpersonen, Menschen aus der öffentlichen Regionalentwicklung oder dem Klimaschutzmanagement, Unternehmen, kommunalpolitisch Verantwortliche, Wissenschaftler:innen des T!Raum Verbunds
Maßnahmen: 3-jähriger Kooperationsprozess mit der Uni Greifwald mit Mitmach-Formaten und Begleitforschung
Kontakt
Dr. Niels Kohlschütter
Vorstand
Tel. +49 89 179595-13
nkohlschuetter@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Angela M. Schlabitz
Links
One-Health-Region Vorpommern
www.onehealth-region.de
Projektpartner:innen: / Kooperationspartner:innen:
Dieses Projekt wird gefördert durch:
wir-kooperieren.org
Kooperation und Betriebsentwicklung in der Landwirtschaft
Was brauchen wir für ein gutes Leben? Wie lassen sich Betriebsgemeinschaften nachhaltig entwickeln? Welche Kooperationsmöglichkeiten gibt es zwischen Stadt und Land und was braucht es für ein gutes Miteinander?
Tolle Idee − und dann?
Der zündenden Idee, einen Bio-Hof gemeinsam zu bewirtschaften, folgt oft eine Phase harter Um- und Auseinandersetzung. Unterschiedliche Vorstellungen, Arbeitsweisen und Weltanschauungen prallen aufeinander. Damit aus solchen Prozessen eine erfolgreiche und fruchtbare Kooperation für möglichst alle Beteiligten wachsen kann, arbeiten wir gemeinsam mit der Software AG Stiftung und Projektleiter Stephan Illi an einer Studie zur „Förderung der Zusammenarbeit von biodynamischen Bauern als Impuls zur Diversifizierung des Öko-Landbaus“.
Ziel ist es, gemeinsam herauszufinden, wie sich zwischenmenschliche Konflikte bei der Gründung oder Führung von Hofgemeinschaften in der Landwirtschaft lösen lassen. Kernstück des Projekts ist eine gezielte Beratung, mit deren Hilfe die Beteiligten Entwicklungsprozesse erfolgreich umsetzen können.
„Auf der Webseite wir-kooperieren.org wird die zielgerichtete Beratung ergänzt durch praktisches Handwerkszeug zum Herunterladen.“ Stefan Illi
Einzigartiges Beratungsangebot
Da es bisher kaum Angebote gibt, die Zusammenarbeit systematisch und grundlegend zu erlernen, schließt dieses wegweisende Projekt eine große Lücke. „Auf der Webseite wir-kooperieren.org wird die zielgerichtete Beratung ergänzt durch praktisches Handwerkszeug zum Herunterladen“, so Projektleiter Stephan Illi. Das Angebot richtet sich an bestehende ebenso wie an in Gründung befindliche Hofgemeinschaften.
Solidarische Regionen
Wie groß der Wunsch nach Nähe zwischen Bauern und Konsumenten tatsächlich ist, zeigt das Projekt „Solidarische Regionen“. Zur Jahreswende 2014/2015 wurden über vier Monate hinweg Bio-Kunden, Bio-Bauern sowie Verarbeiter und Händler der Bio-Branche befragt: Wünschen Sie sich eine tiefergehende Beziehung über die Wertschöpfungskette hinweg? Und wenn ja, wie sieht dieses Interesse konkret aus?
Wer macht was und wie?
Die Auswertung zeigte deutlich, dass ein wachsender Anteil der Verbraucher gerne mehr über regionale Erzeuger und Hersteller wissen will. Auch die Gesichter und Geschichten hinter den Lebensmitteln kennenzulernen, ist den Konsumenten zunehmend ein Anliegen. Ebenso wurde großes Interesse an mehr Teilhabe festgestellt, etwa durch Mitfinanzierung von Betriebsinvestitionen. Einige der Befragten wollten gerne ganz konkret auf Höfen mitarbeiten.
Kurz & Knapp
Projektübersicht
Projekt: wir-kooperieren.org
Startschuss: 2014
Laufzeit: läuft
Wirkungskreis: regional, global anwendbar
Zielgruppe: Landwirte, Hofgründer, Gemeinschaftshöfe, CSA, Genossenschaften
Maßnahmen: Gründung, Homepage, Begleitforschung
Mitwirkende: Expert:innen
Kontakt
Stephan Illi
Büro für Agrarkultur
Mobil +49 170 9396288
info@wir-kooperieren.org
Foto: Manu Theobald
Links
Zur Projektseite „Kooperations-Werkzeuge für Hof- und Vermarktungsgemeinschaften“: www.wir-kooperieren.org
Dieses Projekt wird gefördert durch:
Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Für den Schutz von Fluss- und Auenlandschaften
Um den Naturschatz der Flüsse und Auen weltweit zu bewahren, wird der mit 20.000 Euro dotierte Preis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft vergeben. Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis wird aus Mitteln des Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung gefördert.
Den Naturschatz bewahren
Flüsse sind die Adern des Lebens. Sie versorgen ihre Umgebung mit Frischwasser und bieten einen vielfältigen Lebensraum für eine Fülle an Pflanzen und Tieren.
Flüsse spielen eine tragende Rolle bei der Regulierung des Klimas. Dennoch werden sie immer noch unzureichend vor Eingriffen geschützt. Flusslandschaften sind heute die am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt. Besonders leiden die Lebensadern unter dem Bau fortwährend neuer Wasserkraftwerke, die wie Geschwüre wuchern und die Landschaften für immer komplett verändern, teilweise sogar unfruchtbar machen.
Über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ist benannt nach Wolfgang Staab (1938-2004), der sich an der Spitze des BUND-Landesverbandes Rheinland-Pfalz einen Namen machte. „Wer etwas tut, hat Recht. Wer nichts tut, hat Unrecht“ war ein Leitspruch des kämpferischen Umweltschützers, der 2004 bei einem Autounfall ums Leben kam. Dr. Dorette Staab stiftete den Preis, der 2015 zum ersten Mal vergeben wurde.
Jury-Mitglieder sind Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Emil Dister (ehem. KIT-Aueninstituts in Rastatt), Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung) und Sabine Riewenherm (Bundesamt für Naturschutz).
Bewerben oder nominieren für den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2027
Bewerbungen und Nominierungen für den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2027 werden aktuell entgegengenommen. Bitte nutzen Sie hierzu das Bewerbungsformular bzw. Nominierungsformular und schicken Sie die Unterlagen z.Hd. Nora Klopp oder per E-Mail an nklopp@schweisfurth-stiftung.de.
Die Preisträger:innen des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises
Preisträger 2025: Prof. Dr. Friedrich „Fritz“ Schiemer
Herausragender Einsatz für den letzten Wildfluss Europas mit Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet
Der österreichische Gewässerökologe Prof. Dr. Friedrich Schiemer erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis der Schweisfurth Stiftung
Der Gewässerökologe Prof. Dr. Friedrich Schiemer aus Österreich wurde mit dem mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2025 ausgezeichnet. Der Preis wird gefördert mit Mitteln aus dem Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung. Schiemer setzt sich seit Jahrzehnten auf herausragende Weise wissenschaftlich und politisch für den Schutz von Flüssen und Flussauen ein. Als Vorsitzender des Vereins RiverWatch engagiert er sich seit 2012 verstärkt für die Vjosa in Albanien – den letzten frei fließenden Fluss Europas außerhalb Russlands. Dank seines Einsatzes wurde der Bau zweier Wasserkraftwerke an dem Fluss verhindert und im Jahr 2023 die Vjosa zu Europas erstem Wildfluss-Nationalpark ausgerufen. Die Preisverleihung an Friedrich Schiemer fand im Rahmen der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgerichteten Fachtagung „Bundesprogramm Blaues Band Deutschland“ am 23. September in Bonn statt.
Dr. Alfred Herberg, Leiter des Fachbereichs II, Schutz, Entwicklung und nachhaltige Nutzung von Natur und Landschaft, im BfN: „Die Vjosa ist einer der letzten großen unverbauten Wildflüsse in Europa. Sie und ihre Nebenflüsse bilden ein Ökosystem mit einer beträchtlichen biologischen Vielfalt von nationaler und globaler Bedeutung. Die Auszeichnung der Vjosa als Wildfluss-Nationalpark war ein Meilenstein, zu dem Friedrich Schiemer wesentlich beigetragen hat. Wir bedanken uns für seinen unermüdlichen Einsatz für den Schutz der Flüsse und gratulieren ihm von ganzem Herzen zu diesem würdigen Preis.“
Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Laudator: „Friedrich Schiemer ist es zu verdanken, dass sich zur Vjosa eine große Forschungsbewegung aus albanischen und internationalen Wissenschaftlern gebildet hat, die sich auch gegenüber der Politik Gehör verschafft. Sein zentrales Anliegen ist, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auf Augenhöhe in die politische Entscheidungsfindung einfließen. Dafür bringt er als Brückenbauer Akteure mit unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen an einen Tisch und sucht das Verbindende. Eine Eigenschaft, die heute wichtiger ist, denn je.“
Prof. Dr. Friedrich Schiemer: „Flusslandschaften verdienen als zentrale Landschaftselemente besonderen Schutz, sie zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Lebensraumtypen. Ich bin der Stifterin Dr. Dorette Staab sehr dankbar, dass sie über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis die besondere Bedeutung des Flussschutzes hervorhebt und das herausragende Engagement der Flussschützer wertschätzt. An der Vjosa ist nach wie vor der Einsatz von Wissenschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Die industrielle Nutzung, der Ausbau der Infrastruktur sowie Missmanagement gefährden die ökologische Integrität des Nationalparks – und seinen globalen Naturschutzwert.“
Zum Preisträger und seinem Engagement
Prof. Dr. Friedrich Schiemer wurde 1941 in Wien geboren. Er wuchs nahe der Donau auf und begeisterte sich bereits als Kind an Streifzügen durch die wilde Natur der Donau-Auen. Friedrich Schiemer studierte Zoologie und Botanik an der Universität Wien und forschte danach in den USA und in England. Zurück in Österreich war er beteiligt an der Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984, wo ein Wasserkraftwerk gebaut werden sollte. Gemeinsam mit weiteren Forschern lieferte er wissenschaftlichen Argumente und Daten für den Schutz der Donauflusslandschaft. Die Hainburger Au wurde 1996 zum Nationalpark erklärt.
Ab 1968 lehrte und forschte der inzwischen emeritierte Schiemer als Universitäts-Professor für Limnologie (der Wissenschaft der Binnengewässer als Ökosystem) an der Uni Wien, er gründete und leitete dessen Institut für Ökologie und Naturschutzbiologie.
Seit 2012 liegt der Schwerpunkt seines Engagements als Vorsitzender von RiverWatch auf der Vjosa in Albanien, dem größten Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Schiemer brachte lokale und internationale Wissenschaftler:innen in Albanien zusammen, um das Flussökosystem der Vjosa zu erforschen. Die von ihm und seinen Forschungskollegen vorgelegten Studien verhinderten den Bau zweier Wasserkraftwerke. Wegen Friedrich Schiemers Verdiensten wurde das im Oktober 2020 im Beisein des damaligen Albanischen Präsidenten Ilir Meta eröffnete Vjosa Research Center in Tepelena nach ihm benannt.
2023 wurde die Vjosa in ihrem gesamten Lauf in Albanien sowie vier ihrer Zuflüsse – Bënçë, Shushica, Drinos und Kadhiq – in einer Länge von insgesamt 400 Kilometern und mit einer Fläche von mehr als 12.700 Hektar zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas erklärt.
Über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Wolfgang Staab (1938-2004) machte sich als leidenschaftlicher Umweltschützer in Rheinland-Pfalz einen Namen. Als Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz des BUND wirkte er viele Jahre sehr erfolgreich; später war er als Schatzmeister im BUND-Bundesverband tätig. Im Jahr 2014 richtete Dr. Dorette Staab den Wolfgang Staab-Naturschutzfonds innerhalb der Schweisfurth Stiftung ein. Seitdem wird der mit 20.000 dotierte Preis an Einzelpersonen aus Wissenschaft und Umweltschutz vergeben, die sich im besonderen Maße für eine nachhaltige Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft und damit für Ökosysteme von überregionaler Bedeutung einsetzen.
Für die Verleihung des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2027 können ab sofort Bewerbungen beziehungsweise Nominierungen bei der Schweisfurth Stiftung eingereicht werden.
Über die Fachtagung im Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“
Die Verleihung des diesjährigen Wolfgang Staab-Naturschutzpreises fand im Rahmen einer Fachtagung des BfN zum Bundesprogramm Blaues Band Deutschland statt. Mit dem Bundesprogramm setzen sich das Bundesumweltministerium und Bundesverkehrsministerium gemeinsam für eine naturnahe Entwicklung der Bundeswasserstraßen und ihrer Auen ein. Im Bundesprogramm ist das BfN für die Umsetzung des „Förderprogramm Auen“ verantwortlich; darüber können verschiedene Akteure wie Verbände, Vereine oder Kommunen Fördergelder für Umsetzung von Auenrenaturierungsmaßnahmen einwerben. Auf der Fachtagung wurde zum einen die Renaturierung von Wasserstraßen und ihrer Auen in Zeiten des Klimawandels beleuchtet und über Projektentwicklung und Antragstellung, Kooperationsmöglichkeiten und Zusammenarbeit mit Trägern öffentlicher Belange diskutiert.
Fotos (v.l.n.r.): Prof. Dr. Klement Tockner (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Dr. Annette Dörpinghaus (Bundesamt für Naturschutz), Prof. Dr. Friedrich Schiemer (Preisträger Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2025, Riverwatch), Dr. Dorette Staab (Stifterin Wolfgang Staab-Naturschutzpreis), Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehm. KIT-Aueninstitut)
Copyright: Sarah Larissa Heuser
Preisträger 2023: Georg Frank
Flussschutz ohne Grenzen
Der österreichische Biologe Georg Frank erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2023
Die Schweisfurth Stiftung hat Georg Frank, Generalsekretär des transnationalen Donauschutzvereins DANUBEPARKS, mit dem diesjährigen mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Fachtagung Bundesprogramm Blaues Band Deutschland an Main und Neckar in Mannheim statt, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgerichtet wurde.
Im Verein DANUBEPARKS sind Donauschutzgebiete aus fast allen Donauländern zusammengeschlossen, darunter Rumänien, Moldawien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Österreich und Deutschland. Der Einsatz von Georg Frank für den Aufbau des Vereins hat wesentlich dazu beigetragen, dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit für den Naturschutz an der Donau deutlich gestärkt wurde.
Sabine Riewenherm, Präsidentin des BfN, das in der Jury zur Vergabe des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises vertreten ist: „Die Donau ist eine Modellregion für transnationale Bemühungen des Naturschutzes in Europa. Für etwa 83 Millionen Menschen ist die Donau Lebensgrundlage, Garantie für Trinkwasser, für frische Luft und wertvoller Erholungsraum. Ihre Fluss- und Auenlandschaften beheimaten mehr als 2.000 Gefäßpflanzen und über 5.000 Tierarten. Georg Frank hat es mit seiner Kompetenz und seinem Engagement geschafft, den Schutz dieses einzigartigen Naturraums über Ländergrenzen hinweg aufzubauen und erfolgreich zu machen. Er hat diesen Preis mehr als verdient!“
Carl Manzano, ehemaliger Direktor des Nationalparks Donau-Auen und Laudator: „Die Naturschätze der Donau stehen zunehmend unter Druck. Zersiedelung, Verkehrsprojekte, Energiegewinnung sowie intensive Landnutzung belasten die Artenvielfalt des Flusses. Das Vernetzen von Schutzgebieten entlang des gesamten Flussverlaufs ist essentiell, um die biologische Vielfalt zu erhalten bzw. wieder aufzubauen. Georg Frank ist es zu verdanken, dass Europa bei dieser Aufgabe einen großen Schritt voran gegangen ist.“
Georg Frank, 48-jähriger Biologe aus Österreich und Gewinner des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2023: „Die Gründung, der Aufbau und die Etablierung von DANUBEPARKS ist eine meiner größten beruflichen Errungenschaften. Alle meine Projektideen sind getragen von der Vision, den Verein weiter in seiner Vorbildrolle für länderübergreifenden Naturschutz und als Modell für die Donau, für Europa und alle großen Flüsse zu stärken. Ich bin sehr dankbar für die Auszeichnung dieser Arbeit durch die Schweisfurth Stiftung. Das Preisgeld werde ich für den Aufbau weiterer Naturschutzmaßnahmen an diesem wunderbaren Fluss verwenden.“
Hintergrund – Georg Frank und der Verein DANUBEPARKS
Georg Frank wurde 1974 in Scheibbs im österreichischen Alpenvorland geboren. Er schloss 2002 sein Biologiestudium (Zoologie) an der Universität Wien ab und arbeitete seitdem in verschiedenen Donau-Projekten. Im Jahr 2007 übernahm er die Initiative zum Aufbau des Vereins DANUBEPARKS, um die donauweite und grenzübergreifende Naturschutzarbeit an Europas zweitgrößtem und zweitlängstem Fluss zu stärken. 2014 wurde DANUBEPARKS gegründet, seitdem leitet Georg Frank den gemeinnützigen Verein als Generalsekretär.
Im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins steht die Umsetzung von konkreten Naturschutzmaßnahmen entlang der Donau in Rumänien, Moldawien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Österreich und Deutschland. Durch das Engagement von Georg Frank konnten bis heute mehr als 30 Millionen Euro für konkrete donauweite Naturschutzinitiativen eingesetzt werden. Das LIFE WILDisland-Projekt des Vereins gehört zu den größten Naturschutz-Projekten Europas. Zahlreiche Inseln und über 48 Kilometer Gewässer wurden renaturiert, 1.440 Hektar an Lebensräumen verbessert.
Die EU-Kommission hat DANUBEPARKS als bestes europäisches Naturschutz-Netzwerk mit dem Natura 2000 Award sowie als ersten Preisträger mit dem Living Danube Award geehrt.
Foto (v.l.n.r.): Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung), Dr. Ina Quick (BfN), Dr. Dorette Staab (Stifterin Wolfgang Staab-Naturschutzpreis), Georg Frank (Preisträger 2023), Carl Manzano (Carl Manzano, Ehrenpräsident Danubeparks); Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehm. KIT-Aueninstitut)
Copyright: Daniel Weisser
Preisträger 2022: Laszlo Galambos
Herausragender Einsatz für den Schutz der Donau
Der serbische Ökologe Laszlo Galambos erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2022 der Schweisfurth Stiftung
Dank seiner Expertise und seines Engagements wurden in Serbien erstmals Maßnahmen zur Renaturierung von Auen und zum Schutz gefährdeter Fischarten an Donau, Save und Theiß vorgeschlagen und umgesetzt: Laszlo Galambos aus Novi Sad gilt als eine der zentralen Figuren des Auenschutzes in der Provinz Vojvodina im Norden Serbiens. Für seinen herausragenden Einsatz für naturnahe Flüsse wurde Galambos nun mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis der Schweisfurth Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und einer der höchstdotierten Naturschutzauszeichnungen Deutschlands.
Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, das in der Jury zur Vergabe des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises vertreten ist: „Der Hitzesommer hat gezeigt, wie sehr wir auf Wasser in unseren Flüssen und in unserer Landschaft angewiesen sind. Angesichts zunehmender Temperaturen muss alles darangesetzt werden, Wasser in unseren Böden zu halten. Auen und Feuchtgebiete sind natürliche Wasserspeicher und müssen dringend geschützt und wiederhergestellt werden. Laszlo Galambos hat den Naturschutz an Flüssen in Serbien vorbildlich gestärkt.“
Donau, Save und Theis fließen in der Provinz Vojvodina noch viel naturbelassener als die großen Flüsse Deutschlands. Historische Überschwemmungsgebiete, Sümpfe und Auwälder sowie seltene Fischarten wie Wildkarpfen und Hundsfisch sind dort noch zu finden. Doch die Flusslandschaft ist durch Wasserbaumaßnahmen, Verschmutzung, Zerstörung und die Überfischung stark bedroht, gleichzeitig haben Umwelt- und Naturschutz in Serbien bislang noch keine hohe Bedeutung.
Der Ökologe Laszlo Galambos (39 Jahre) verschaffte sich jedoch aufgrund seines Fachwissens in Fischkunde und in der Ökologie von Binnengewässern hohes Ansehen in den für das Wasserstraßen-Management zuständigen serbischen Behörden. Dank seiner Expertise und seines auch ehrenamtlichen Engagements in entsprechenden Stakeholder-Foren wurden erstmals Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz an serbischen Flüssen umgesetzt. So wurde nahe der Stadt Novi Sad ein sechs Kilometer langer alter Seitenarm der Donau ausgebaggert und wiederhergestellt. Galambos leistete zudem wesentliche Beiträge zu europäischen Projekten zum Auenschutz an der Donau, zum Schutz des Donaustöre sowie zur künftigen Einrichtung des Natura2000-Netzwerks der EU in Serbien.
Laszlo Galambos, Gewinner des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2022: „Es gibt keine Alternative zu gesunden Flüssen, sie sind überlebenswichtig für uns Menschen. Die Fischerei, die Forstwirtschaft, die Schifffahrt und die Landwirtschaft – sie alle hängen von ihnen ab. Gerade in Zeiten der Klimakrise braucht es gezielte Maßnahmen, um Flüsse in ihren natürlichen Zustand zu bringen. In Serbien ist die Arbeit als Naturschützer nicht so einfach. Der Preis gibt mir Mut und Motivation, mich weiter mit vollem Engagement für gesunde Flüsse, Auen und Feuchtgebiete einzusetzen.“
Über Laszlo Galambos
Laszlo Galambos wurde 1983 in Novi Stad geboren und verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit in der Natur und an der Donau. Er schloss 2007 sein Master-Studium der Ökologie an der Universität Novi Stad ab und arbeitet seitdem am Naturschutzinstitut der Provinz Vojvodina. Der Schutz der Flüsse ist, wie er selber sagt, seine Herzensangelegenheit.
Galambos ist weit über seine institutionell bedingten Aufgaben hinaus aktiv. Sein Fachwissen in der Fischkunde (Ichthyologie) und in der Süßwasserökologie ist international anerkannt. In seiner Region Vojvodina gilt er als der Fachmann und Schlüsselperson für den Fischschutz, für Fragen des Fischereimanagements und der aquatischen Biodiversität. Seine Aktivitäten zielen darauf ab, neue Erkenntnisse über den Schutz, den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung von Flüssen und Auen zu sammeln und anschließend konkrete Maßnahmen umzusetzen, die dazu beitragen, die Flüsse in Zukunft in gutem Zustand zu erhalten.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehem. KIT-Aueninstitut), Nenad Sekulic (Institut für Naturschutz, Serbien), Laszlo Galambos (Naturschutzinstitut der Provinz Vojvodina), Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung)
Copyright: Christian Brüssel
Preisträgerin 2021: Andreja Slameršek
Unermüdliche Kämpferin für den Erhalt frei fließender Flüsse ausgezeichnet
Dass die zwei großen Flüsse Sloweniens, die Mur und die Save, noch weitgehend ungehindert durch ihre Flussbetten fließen können, ist maßgeblich der Naturschützerin Andreja Slameršek zu verdanken. Ihr gelang es mit der Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen, mehrere geplante Wasserkraft-Projekte zu stoppen, die die einzigartigen, ökologisch wertvollen Auenlandschaften der beiden Flüsse zerstört hätten. Für ihren herausragenden Einsatz für die Natur von europäischem Wert wurde heute die Biologin Slameršek mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Dieser Preis wird jährlich verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert – finanziert aus Mitteln des Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung.
„Ohne den unermüdlichen, fachlich versierten Einsatz von Andreja Slameršek wären die geplanten Kraftwerke an Mur und Save wohl bereits genehmigt. Andreja ist eine Kämpfernatur, die wesentlich dazu beiträgt, wertvolle Flusslandschaften zu erhalten. Sie ist ein wichtiges Vorbild für alle, die sich für die Natur einsetzen und zwar trotz zum Teil heftiger Angriffe aus Behörden- und Regierungskreisen. Wir brauchen mehr solche ‚Davids‘ wie Andreja im Kampf gegen die Goliaths“, sagte Laudator Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von RiverWatch, bei der Preisverleihung in München.
Insgesamt acht Wasserkraftwerke sollten nach Plänen der Energiewirtschaft in Slowenien an der Mur entstehen und den Fluss auf mehr als 50 Kilometern aufstauen. Die Save wiederum soll in weiten Teilen in ein Band aus Stauseen verwandelt werden. Andreja Slameršek, Präsidentin der Slovenian Native Fish Society (DPRS), schrieb und koordinierte zum großen Teil ehrenamtlich die Eingaben und Klagen mehrerer Naturschutzorganisationen in allen relevanten Genehmigungsprozessen zum Bau der Wasserkraftwerke. Sie vernetzte Anwohner und verschiedene Gruppen aus Politik und Kultur, organisierte runde Tische, Filmabende, Ausstellungen und Medienaktionen.
Mit Erfolg: Seit 2019 ist die energetische Nutzung der Mur im nationalen Energie- und Klimaplan Sloweniens ausgeschlossen. Ebenfalls 2019 stoppte der slowenische Verwaltungsgerichtshof den Bau des geplanten Wasserkraftwerks Mokrice an der Save aufgrund formaler und inhaltlicher Mängel, im Sommer dieses Jahres bestätigte der Oberste Gerichtshof diese Entscheidung. Die Save und ihre einzigartige Fischfauna sind vorerst geschützt.
Gesunde Auen sind wie Lebensadern unserer Landschaft. Sie beherbergen eine faszinierende Artenvielfalt, sind natürliche Hochwasserspeicher und nehmen klimaschädliche Treibhausgase auf. Durch wasserbauliche Eingriffe wie Flussbegradigungen, Eindeichungen und Uferbefestigungen, durch den Bau von Wasserkraftwerken und die Erweiterung von Siedlungs- und Industrieflächen sind Flussauen jedoch inzwischen der am stärksten gefährdete Lebensraum Europas.
„Andreja Slameršek ist es gelungen, die hohe Bedeutung des Schutzes von Flüssen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und das Thema erfolgreich auf die politische Agenda zu setzen. Mit der Verleihung des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2021 möchten wir sie in ihrer wichtigen Arbeit unterstützen und ihren herausragenden Einsatz würdigen“, begründet die Jury, bestehend aus Dr. Dorette Staab (Stifterin), Prof. Dr. Emil Dister (ehem. Karlsruher Institut für Technologie/Aueninstitut), Andreas Krug (Bundesamt für Naturschutz) und Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung), ihre Entscheidung.
Mur und Save – zwei bedeutende Flüsse für Slowenien und Europa
Die Mur in Slowenien ist Teil einer europäisch bedeutenden Flusslandschaft – dem „Amazonas Europas“– der die Flusssysteme von Mur, Drau und Donau umfasst und sich über Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien erstreckt. Die slowenische Mur und ihre Auen beherbergen die größten Auenwälder Sloweniens sowie eine ungewöhnliche Fischartenvielfalt mit über 60 Arten. Außerdem leben in dem Gebiet verschiedene bedrohte Tierarten, darunter Eisvogel, Schwarzstorch, Seeadler, Biber, Fischotter und viele mehr. Die slowenischen Mur-Auen sind als Natura 2000-Gebiet geschützt und wurden 2019 als Biosphärenpark von der UNESCO anerkannt.
Die Save ist Sloweniens größter Fluss. Sie ist teilweise als Natura 2000 Gebiet geschützt und vor allem aufgrund ihrer Fischfauna von großer ökologischer Bedeutung. Berühmt ist die Save für ihre Huchenbestände. Der Huchen ist mit den Forellen verwandt und kann bis zu 1,5 Meter lang werden. Ehemals weit verbreitet, gilt dieser „Tiger der Flüsse“ vor allem wegen des Wasserkraftausbaus heute als global bedroht.
Über Andreja Slameršek
Andreja Slameršek wurde 1980 in Ptuj im Nordosten Sloweniens geboren. Sie studierte Chemie und Biologie und arbeitete nach ihrem Studium im Slowenischen Institut für Naturschutz. Von 2016 bis 2020 war sie Geschäftsführerin der von ihr gegründeten Nature Conservation Consulting und ist seit 2015 ehrenamtliche Präsidentin der Slovenian Native Fish Society (DPRS).
Foto (v.l.n.r.): Samo Tuš (Präsident von Moja Mura), Andreja Slameršek (Preisträgerin) & Ulrich Eichelmann (Geschäftsführer von RiverWatch)
Copyright: Tatjana Simeth
Preisträger 2020: Georg Kestel
Herausragendes Engagement für die frei fließende Donau
Die Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist unter Naturfreunden als wahres ökologisches Juwel bekannt. Zahlreiche, häufig nur noch selten vorkommende Tier-und Pflanzenarten sind dort in der Fluss- und Auenlandschaft zu Hause. Dass dies auch heute noch der Fall ist, ist maßgeblich Georg Kestels langjährigem und unermüdlichen Einsatz zu verdanken: Mit zahlreichen Fachstellungnahmen und Gutachten trug er viel dazu bei, die Kanalisierung der Donau mit weiteren Staustufen und den Durchstich der Mühlhamer Schleife abzuwenden. Sein herausragendes Engagement wurde nun von der Münchner Schweisfurth Stiftung mit dem mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet.
Die jahrzehntelange und erbitterte Auseinandersetzung von UmweltschützerInnen und AnwohnerInnen mit den Staubefürwortern in der Politik hat sich gelohnt: Im Februar 2013 beschloss die bayerische Staatsregierung die Pläne für den massiven Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen aufzugeben und stattdessen einen sanften, umweltverträglicheren Ausbau durchzuführen. Diese Entscheidung war und ist bedeutend für den Gewässer-und Auenschutz in ganz Deutschland. Der breite und im Lauf der Jahre stetig wachsende Widerstand von Naturschutzverbänden, allen voran des BUND Naturschutz, verschiedener Bürgerinitiativen und der AnwohnerInnen hat die Politik zum Umdenken gebracht –ein wichtiger Erfolg, um Flüsse und ihre Auen, die aktuell am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt, zu schützen. „Über die Auszeichnung mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis freue ich mich sehr, denn damit wird stellvertretend auch das jahrzehntelange Engagement vieler Menschen in der Region für ihren Fluss wertgeschätzt“, kommentiert Georg Kestel, der sich sowohl beruflich als auch ehrenamtlich für die frei fließende Donau einsetzt.
Mit Herzblut und Sachverstand für den Umweltschutz
„Die von Kestel angefertigten Stellungnahmen und sonstigen Diskussions-oder Medienbeiträge mit stets hoher, fachlich kaum angreifbarer Qualität haben einen entscheidenden Anteil daran, dass die Position und die Argumente der Verbände und Initiativen in der politischen Auseinandersetzung und in der Öffentlichkeit überzeugten. Sein herausragendes Engagement, die ökologische und gesellschaftliche Bedeutung der Fluss-und Auenlandschaft fachlich aufzubereiten und zu kommunizieren, hat die Jury begeistert. Wir hoffen, dass dieses Beispiel weitere Engagierte in ganz Deutschland motiviert, sich für den Umweltschutz einzusetzen und dabei Durchhaltevermögen und Ausdauer zu zeigen“, erklärt Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, die Jury-Entscheidung. Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V., freut sich, dass „Georg Kestel, der sich als langjähriger Vorsitzender der BUND NaturschutzKreisgruppe Deggendorf mit an erster Stelle für die Erhaltung der frei fließenden Donau eingesetzt hat, einen so bedeutenden Preis erhält. Damit wird das herausragende Engagement Kestels, des BUND Naturschutz sowie aller Aktiver für den Donauschutz auch überregional anerkannt. Georg Kestel hat mit großer Fachkompetenz die alternativen flussbaulichen Maßnahmen gegenüber dem Stau des Flusses mit durchgesetzt.“
Flüsse und ihre Auen – wichtige Ökosysteme
Flüsse und ihre Auen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa und spielen eine zentrale Rolle für den Biotopverbund. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine Reihe für Mensch und Natur essentielle Ökosystemdienstleistungen aus: Sie fungieren als nachhaltiger Hochwasserschutz, sind wichtig für die Selbstreinigung der Gewässer sowie für den Rückhalt von Treibhausgasen. Diese Funktionen zu erhalten und wo möglich wiederherzustellen, ist eine große Zukunftsherausforderung. Denn Flusslandschaften sind heute die am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt. Mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ehrt und unterstützt die Schweisfurth Stiftung engagierte Privatpersonen, die sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort einsetzen und damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung retten.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Hubert Weiger (Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V.), Georg Kestel (Preisträger) und Dr. Niels Kohlschütter (Vorstand der Schweisfurth Stiftung)
Copyright: Schweisfurht Stiftung
Preisträger 2019: Jonathan Rauhut
Naturschutzpreis für die Rettung des Zwischenoderlands
Für seine Verdienste um die Rettung des Zwischenoderlands
hat der Umweltwissenschaftler und Naturschützer Jonathan Rauhut den mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis erhalten. Die Auszeichnung für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften wird jährlich von der Schweisfurth Stiftung verliehen, Gastgeber der diesjährigen Preisverleihung war gestern Abend das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn.</em)
Naturschutz jenseits nationaler Grenzen
„Die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften in Deutschland ist geprägt vom herausragenden Einsatz engagierter Privatpersonen. Sie setzen sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort ein und retten damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung“, davon ist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, überzeugt.
Der Preisträger selbst, Jonathan Rauhut, schwärmt von seiner Wirkungsstätte: „Als ich vor 15 Jahren die Oder entdeckte, war ich begeistert. Das hat bis heute kein bisschen nachgelassen. Wer hätte gedacht, dass es Flussauen mitten in Mitteleuropa gibt, in denen Elch, Weißflügelseeschwalbe, Schreiadler und Bienenfresser nebeneinander vorkommen?“
Mehrfach hart umkämpft wurde das Zwischenoderland (poln.: Międzyodrze) in seiner Geschichte: Nach einer Eindeichung in den 1930er Jahren zu Gunsten der Landwirtschaft, verfielen die Polder nach dem zweiten Weltkrieg. 2015 wurden jedoch erneut Pläne zu einer Eindeichung des Gebiets sowie eines weiteren Ausbaus der Oder beschlossen. Daraufhin folgte eine intensive deutsch-polnische Zusammenarbeit auf behördlicher sowie auf gesellschaftlicher Ebene, die mittels wissenschaftlicher Gutachten und unermüdlicher Aufklärungsarbeit zum Hochwasserschutz die Eindeichung des Zwischenoderlands verhinderte. Vorangetrieben wurde diese Zusammenarbeit von der „Stepnicka Organizacja Turystyczna“, der „Towarzystwo Przyjaciól Rzek Iny i Gowienicy“, organisiert in der polnischen Verbände-Koalition zur Rettung der Flüsse „Koalicja Ratujmy Rzeki“, sowie von den unter dem Dach des Deutschen Naturschutzrings (DNR) vernetzten Verbänden BUND, WWF, DUH, NABU, Heinz-Sielmann-Stiftung und dem Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal.
Preisträger Rauhut wünscht sich, dass die Oder ein Ort der Begegnung wird, an dem alle Interessengruppen eines Tages stolz darauf sind, dass sie gemeinsam die Schönheit und Wildnis der Oderauen für ihre Kinder bewahrt haben. „Vorbild sind für mich hier meine Kolleg*innen Iwona Krępic, Ewa Leś, Artur Furdyna, Florian Schöne und Sascha Maier, die es auf faszinierende Weise geschafft haben, Brücken zwischen Akteuren mit eigentlich gegensätzlichen Interessen zu bauen“, so Rauhut.
Der Preisträger überzeugte durch sein unermüdliches Engagement
Vorgeschlagen für den Preis wurde Jonathan Rauhut vom politischen Geschäftsführer des DNR, Florian Schöne: „Jonathan Rauhut ist es durch sein unermüdliches Engagement gelungen, eine Vielzahl an Verbänden und Fachleuten aus Polen und Deutschland auf das Zwischenoderland und seine Gefährdung aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit einer Allianz an Akteuren beidseits der Oder konnte er die damaligen Planungen der polnischen Wasserwirtschaftsbehörden mit ihren unzutreffenden Argumenten zum Hochwasserschutz aufdecken und durch die Koordination eines alternativen Gutachtens eine unabhängige Prüfung veranlassen. Damit hat Jonathan Rauhut wesentlich dazu beigetragen, dass die naturschutzfachlich äußerst kritische Eindeichung des Zwischenoderlands als Kernzone des polnisch-deutschen Schutzgebietsverbundes „Unteres Odertal“ verhindert werden konnte. Dies ist ein großer Erfolg für Hochwasserschutz und Naturschutz in Polen, Deutschland und Europa.“
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Jonathan Rauhut (Preisträger)
Copyright: U. Euler/BfN
Preisträgerin 2018: Dr. Margret Bunzel-Drüke
Nachhaltiger Auenschutz – vom Fisch bis zum Weiderind
Am 26. Oktober 2018, wurde in der Düsseldorfer Grey Schule der mit 20.000 Euro dotierte Wolfgang Staab-Naturschutzpreis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften verliehen. Als Biokorridore, Hochwasser- und Dürreschutz und bei der Anreicherung und Reinigung des Grundwassers spielen Auen eine herausragende Rolle für Mensch und Umwelt.
Naturschutz jenseits von Disziplinen gedacht
Von der Renaturierung des Flusses Lippe und seiner Auen über Fischökologie und Ornithologie bis hin zu naturnaher Beweidung durch Rinder und Pferde reicht das beachtliche Arbeits- und Forschungsspektrum der diesjährigen Preisträgerin Dr. Margret Bunzel-Drüke. Mit ihrem multidisziplinären Ansatz überzeugte sie die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Stifterin des Preises, Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie). Die Naturschützerin engagiert sich seit über 30 Jahren im Verein Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) im Kreis Soest als Projektleiterin und Wissenschaftlerin. Ihre Forschungsinteressen haben sich im Lauf der Jahre entwickelt, sagt die Flussexpertin: „Man kommt vom Hölzchen auf’s Stöckchen, vom Eisvogel auf die Fische, von den Fischen auf die Fließgewässer, von dort auf natürliche Dynamik und dadurch auf den Einfluss der großen Weidetiere – alles hängt irgendwie zusammen.“
Bunzel-Drüke ist Buchautorin, arbeitet aktuell eine Analyse zum Fischbestand der Lippe unter Federführung des Landesfischereiverbands und ist in einem Renaturierungs-Projekt der Lippe aktiv. Ihre Motivation und Kreativität scheint unerschöpflich – wenn die Pragmatikerin doch mal auf einem Weg nicht vorankommt, dann findet sie rasch eine neue Lösung.
Anerkennung von höchster Stelle
Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, würdigte Dr. Margret Bunzel-Drüke in seiner Laudatio für ihr vielseitiges Engagement: „Das Denken in biologischen Kreisläufen zum Beispiel von den Quappen bis hin zu den Fischen“ zeichnet die Preisträgerin besonders aus. Ihr Einsatz für die neue Nutzung von Überschwemmungsgebiete durch Weiderinder und Pferde führt zur Freihaltung von Flächen und der Zunahme von Biodiversität.“
„Privatpersonen, die Impulse geben, kritische Fragen stellen und die Rolle des Natur-und Umweltschutzes im gesamtökologischen Kontext immer wieder neu denken und thematisieren sind wesentlich für die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften“, davon ist Prof. Franz-Theo Gottwald überzeugt.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie) mit der Preisträgerin Dr. Margret Bunzel-Drüke, der Stifterin Dr. Dorette Staab und Dr. Heinrich Bottermann (Staatssekretär Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW).
Copyright: Kristina Malis
Preisträger 2017: Nikolaus Geiler und Wolfgang E. A. Stoiber
Mit Forschung und Musik im Einsatz für den Auenschutz
Am Freitag, 13. Oktober 2017, wurde in Rastatt bei Karlsruhe der mit 20.000 Euro dotierte Wolfgang Staab-Naturschutzpreis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften verliehen. Preisträger sind in diesem Jahr die zwei Umweltaktivisten und Naturschützer Nikolaus Geiler und Wolfgang E. A. Stoiber.
Naturschutz als Generationenprojekt
Nikolaus Geiler überzeugte die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Stifterin des Preises, Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie) mit seinem Engagement in Theorie und Praxis. Der Gewässer-Biologe ist Gründer der Aktion „Rettet den Rhein“ und ist damit maßgeblich daran beteiligt, dass heute wieder Lachse im Rhein schwimmen. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erstellte er zahlreiche Studien zum naturnahen Hochwasserrückhalt sowie zur Auenrevitalisierung. Außerdem ist er Herausgeber des BBU-WASSER-RUNDBRIEFES und Sprecher des Arbeitskreises Wasser des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU). Jenseits des Schreibtisches setzt sich der Preisträger unter anderem aktiv für die Pflanzen- und Tierwelt an der Dreisam in Freiburg ein. Dabei ist es ihm ein Anliegen, die junge Generation im Rahmen von Projekten mit Schulklassen an den Gewässerschutz heranzuführen. Bei der regionalen Arbeit verliert Geiler jedoch die globale Dimension nicht aus dem Blick. „Wir müssen uns auch in der Gewässerschutzpolitik viel mehr Gedanken darüber machen, welche Verantwortung wir gegenüber Entwicklungs- und Schwellenländer haben, wenn es um eine sozial und ökologisch akzeptable Produktion geht“.
Dr. Brigitte Dahlbender, Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg des BUND würdigte Nikolaus Geiler in ihrer Laudatio für sein zielorientiertes Engagement: „Er legt den Finger in die Wunde, bringt die Gegenseite, aber auch seine Verbündeten zum Nachdenken und zeigt Wege auf, die richtige Lösung umzusetzen.“
Kulturprojekte für die Renaturierung der Weißen Elster
Den zweiten Preisträger Wolfgang E. A. Stoiber beschrieb Dr. Nils Franke, Sprecher der Regionalgruppe Sachsen des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz e. V., in seiner Laudatio als „energiegeladen, ideenreich, teilweise völlig unorthodox, strategisch höchst geschickt und ehrenamtlich arbeitend bis zum Anschlag“. Der ehemalige Metzgermeister hat sich dem Naturschutz des Leipziger Auwalds und der weißen Elster verschrieben. Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Vereins Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (NuKLA e.V.), der sich als Schnittstelle zwischen „Natur, Kultur, Ökologie und Ökonomie“ sieht. Das Hauptziel ist die Renaturierung der Weißen Elster zwischen Zeitz und Halle/Merseburg. Mit dem AULA-PROJEKT2030 soll eine beispielhafte Verbindung von integriertem Hochwasserschutz, Naturschutz und sanftem Tourismus geschaffen werden. Neben 37 Konzerten, die der Verein bereits organisiert hat, finden regelmäßig Aktivitäten im NuKLA Bildungswerk statt. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule werden Umweltbildungskurse und Auwald-Exkursionen angeboten. Um den fachlichen Austausch zu unterstützen, fanden im Frühjahr 2017 erstmals das Auenökologiesymposium sowie die AULA-Citytagung statt.
„Privatpersonen, die Impulse geben, kritische Fragen stellen und die Rolle des Natur-und Umweltschutzes in der Konkurrenz um Ressourcen und Flächen immer wieder thematisieren sind wesentlich für die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften“, ist Prof. Franz-Theo Gottwald überzeugt. Große Freude hatten Jury und Gastgeber Prof. Dr. Florian Wittmann, seit 2016 Leiter des Rastätter Aueninstituts, deshalb mit dem steigenden Interesse der jüngeren Generationen am Naturschutzpreis.
Foto (v.l.n.r.): Wolfgang E. A. Stoiber (Preisträger), Dr. Nils Franke (Laudator), Dr. Dorette Staab (Stifterin), Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung), Nikolaus Geiler (Preisträger), Dr. Brigitte Dahlbender (Laudatorin), Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehemals KIT-Aueninstitut)
Copyright: Schweisfurth Stiftung
Preisträger 2016: Klaus Markgraf-Maué
Das Leben an die Flüsse zurückbringen: Verleihung des Wolfgang Staab-Preises 2016
Lang wurde der Rhein als reine Wasserstraße für den Schiffsverkehr gesehen, seine Ufer wurden verbaut und die Auen zerstört. Das wollte Flussexperte Klaus Markgraf-Maué nie hinnehmen. Seit 20 Jahren widmet sich der studierte Biologe und Geograf bei der NABU-Naturschutzstation Niederrhein der Renaturierung ursprünglicher Auenlandschaften. Für seine Arbeit erhielt der Flussexperte am 10. Juni 2016 den diesjährigen Wolfgang Staab-Naturschutzpreis bei einem Festakt in den Räumen der Schweisfurth Stiftung in München.
Klaus Markgraf-Maue: Ein Pionier, der andere mitreißt
„Dass man am Rhein, an der meistbefahrenen Wasserstraße Deutschlands, Renaturierungsprojekte durchführen kann, ist nicht selbstverständlich“, betonte NABU-Präsident Olaf Tschimpke in seiner Laudatio auf den Preisträger. Die wachsende Bereitschaft der zuständigen Behörden, solche Vorhaben des NABU zuzulassen und zu unterstützen, verdanke man Pionieren wie Markgraf-Maué. Tschimpke würdigte den Flussexperten als mitreißenden Motivator, der es immer verstanden habe, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Seine Arbeit und seine „nie verkniffene, immer positive Art“ hätten dazu geführt, dass die Fluss- und Auenschutzprojekte wachsende Anerkennung fänden.
Der Rhein kann wieder mehr sein als eine Wasserstraße
Die Rede des Preisträgers Klaus Markgraf-Maué wurde geprägt von einem Blick auf zukünftige Projekte und Ziele. Trotz der wichtigen Rolle des Rheins als Verkehrsweg sei es möglich, ihn auch als wertvollen Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanzen zu erhalten und zu renaturieren. Gebremst werde dieser Prozess aber oft von bürokratischen Hürden, deren Abbau sich der Preisträger wünscht. „Viele lokale Projekte stoßen auf große Hindernisse in der Verwaltungsstruktur, die zu bewältigen uns viel Zeit und Geld kostet.“ Dass er sich von solchen Verzögerungen nicht entmutigen lässt, zeigt Markgraf-Maués erfolgreiche Arbeit in vielen Projekten, beispielsweise im Naturschutzgebiet Emmericher Ward am Niederrhein.
Foto (v.l.n.r.): Klaus Markgraf-Maue (Preisträger) und Olaf Tschimpke (Laudator)
Copyright: Schweisfurth Stiftung
Preisträger 2015: Ulrich Eichelmann
Herausragendes Engagement: Ulrich Eichelmann erhält Naturschutzpreis
Ulrich Eichelmann, Umweltaktivist, Filmemacher und Geschäftsführer der international tätigen NGO RiverWatch, wurde am 24. Juni 2015 in Rastatt als erster Preisträger mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet.
Eichelmann, geboren 1961 in Nordrhein-Westfalen, ist ein Kämpfer, der Dinge bewegen und Spuren hinterlassen will. Ein kreativer Stratege und unbequemer Zeitgenosse, der gerne und ausdauernd gegen den Strom schwimmt.
Naturzerstörung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes
Der studierte Landespfleger arbeitete unter anderem 17 Jahre lang als Wasserexperte beim WWF Österreich. Er leitete die Kampagne Stop Ilisu gegen das Staudammprojekt Ilisu am Tigris in der Türkei. Für seinen Film „Climate Crimes − Umweltverbrechen im Namen des Klimaschutzes“ beschäftigten sich Eichelmann und sein Team mit dem rasanten Ausbau von Wasserkraft, Biogas und Biodiesel.
Der Bau immer neuer Staudämme und Wasserkraftwerke sei momentan die größte Bedrohung für die Flüsse, so Eichelmann in seiner Dankesrede. Die zumindest abschnittsweise noch intakten Flusslandschaften auf dem Balkan etwa sollen dem Bau von 2.000 neuen Kraftwerken geopfert werden. Weltweit würden über 100 Milliarden Dollar jährlich in den Neubau von Wasserkraftwerken investiert. Das sei Naturzerstörung im Namen des Klimaschutzes.
Foto (v.l.n.r.): Ulrich Eichelmann (Preisträger) und Dr. Dorette Staab (Stifterin)
Copyright: Schweisfurth Stiftung
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Laufzeit: seit 2015
Wirkungskreis: Europa
Zielgruppe: Umweltschützer:innen, die im Bereich des Fluss- und Auenschutzes aktiv sind
Maßnahmen: Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreises
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
Tel. +49 89 179595-15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Nora Klopp
Bewerbungs- und Nominierungsformular
Hier geht’s zum Bewerbungsformular.
Hier geht’s zum Nominierungsformular.
Bewerbungen und Nominierungen bitte per Post an
Schweisfurth Stiftung
z.Hd. Nora Klopp
Rupprechtstraße 25
80636 München
oder per E-Mail an:
Nora Klopp, nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Blühbotschafter:innen-Lehrgang
Jede Blüte zählt!
Jeder Einzelne kann zum Schutz blütenbestäubender Insekten beitragen! Wie das konkret funktioniert, lernen Interessierte im Blühbotschafter:innen-Lehrgang der Schweisfurth Stiftung. Ziel des Lehrgangs ist es, die Teilnehmenden zu befähigen, Projekte zum Schutz der Insekten und zur Förderung der Biodiversität in ihrem persönlichen Umfeld – beispielsweise in der Schule, der Kommune oder auf dem Firmengelände – anzustoßen, umzusetzen und langfristig zu begleiten.
Praxiswissen zu Förderung von Insekten
Einmal im Jahr organisiert die Schweisfurth Stiftung in Kooperation mit dem Naturschutzzentrum ZUK e.V. im Don Bosco Kloster Benediktbeuern einen Blühbotschafter:innen-Lehrgang. Dabei besuchen die Teilnehmenden unterschiedliche Projekte und Orte. Zu jedem Treffen sind Expert:innen eingeladen, die grundlegendes Fachwissen zur Ökologie und den Ansprüchen der Insekten an ihren Lebensraum vermitteln und praktisch erlebbar machen.
Die Themen sind beispielsweise das Anlegen kommunaler Blühflächen, Saatgut- und Pflanzenauswahl, Möglichkeiten der Landwirtschaft sowie die Vorstellung verschiedener Netzwerke. Der rote Faden dabei ist die Frage: Was können wir tun, um die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern? Am Ende der Ausbildung setzen die Teilnehmenden ein Projekt in ihrem Lebensumfeld unter Begleitung um.
Zielgruppe: leidenschaftliche Artenretter:innen
Blühbotschafter:innen sind Menschen, die sich für eine blühende Landschaft und damit für den Schutz blütenbesuchende Insekten einsetzen: Gartenliebhaber:innen, Hausmeister:innen, Landwirt:innen, Kommunale Mitarbeiter:innen, Naturschützer:innen, Imker:innen, Pädagog:innen und andere Interessierte über 18 Jahre.
„Der Blühbotschafter:innen-Lehrgang war für mich ein echtes Erweckungserlebnis. Ich habe erstmals die Artenkrise verstanden: Ohne Wildblumen keine Bestäuber, ohne Bestäuber keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Tiere – und schließlich keine Menschen.“
Nadia Sadeghian, Teilnehmerin am Blühbotschafter:innen-Lehrgang 2024
Mehr als die Hälfte der einheimischen 561 Wildbienenarten stehen in Deutschland bereits auf der Roten Liste.
Hintergrund: der dramatische Insektenschwund
Es ist schlimmer als erwartet – zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler:innen der im November 2019 im Nature Magazin veröffentlichten Studie der TU München. Sie konnten zeigen, dass in Deutschland die Biomasse der Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist. Allein bei den Wildbienen sind bereits 50 Prozent der Arten auf der Roten Liste (5. Fassung vom Bundesamt für Naturschutz).
Doch wildlebende Insekten, wie zum Beispiel Bienen oder Schmetterlinge, haben eine zentrale Funktion in unserem Ökosystem und sind essentiell für uns Menschen: Denn etwa 80 Prozent unserer Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Genau diese Ökosystemdienstleistung ist aufgrund des aktuellen, dramatischen Insektenschwundes akut gefährdet. Nun gilt es diesen Trend umzukehren und den Artenschwund zu stoppen.
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Blühbotschafter:innen-Lehrgang
Laufzeit: seit 2020
Wirkungskreis: Bayern
Zielgruppe: Gartenliebhaber:innen, Hausmeister:innen, kommunale Mitarbeiter:innen, Imker:innen, Planer:innen, Pädagog:innen, Landwirt:innen, Interessierte
Maßnahmen: In einem fünftägigen Lehrgang vermitteln Expert:innen grundlegende Kenntnisse im Bereich Artenschutz, mit dem Ziel, die Teilnehmenden zu Multiplikator:innen auszubilden.
Kontakt
Katharina Heuberger
Ansprechpartnerin Blühbotschafter:innen-Lehrgang
Tel. +49 89 179595-16
kheuberger@schweisfurth-stiftung.de
Foto: Fotostudio Belichtungswert
Links
Unser Kooperationspartner Naturschutzzentrum ZUK e.V. im Don Bosco Kloster Benediktbeuern: Naturschutzzentrum ZUK e.V.
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Programm Blühbotschafter:innen-Lehrgang 2025:
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Kooperationspartner:
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Ein neues Testprojekt das hier auf der Seite dargestellt wird.
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Große Weidetiere im “toten Winkel” des Naturschutz?
von Lioba Degenfelder
Die Artenverluste in Deutschland sind nach wie vor ungebrochen. Eine Trendwende im Erhalt von Biodiversität und Artenvielfalt ist bis dato nicht in Sicht.
Vor allem im Offenland sehen wir, dass wir beispielsweise das Verschwinden der Wiesenbrüter als wichtige Indikatorart für offene Agrarlandschaften allenfalls verlangsamen, nicht aber aufhalten können. (3)
Welche Chancen für den Artenschutz liegen also im Einsatz von großen Weidetieren und welche Hürden sehen Naturschutzverantwortliche?
Offenlandschaften – urspünglicher Lebensraum in Mitteleuropa?
Mitteleuropa war über den Großteil der Erdgeschichte von großen Pflanzenfressern belebt, welche die Landschaft offenhielt. Das war unsere eigentliche, ursprüngliche Landschaft – unbewaldet und geprägt von großen pflanzenfressenden Tierherden.
Großtierherden sind also die eigentliche Grundlage und Voraussetzung unserer Landökosysteme.
Hier in Mitteleuropa war es der Mensch, der durch erfolgreiche Jagd die letzten wilden Pflanzenfresser wie beispielsweise den Auerochsen aus unseren Landschaften gedrängt hat. (2)
Auf dem afrikanischen Kontinent sind solche Großherden noch in den Nationalparks als Landschaftsgestalter zu erleben. Dort bekommt man einen Eindruck, wie sich Landschaften im Zusammenspiel mit großen Wildtierherden formen und entwickeln. (2)
Dieses „Zerrbild” von natürlichen Landschaften spiegelt sich auch in der strengsten Schutzkategorie für Gebiete in Deutschland wider. Kein einziger der 16 deutschen Nationalparks befindet sich im Offenland. 7 der Parks allerdings befinden sich in Wald- oder Bergwaldregionen.
“Mahd ist seit 30 Jahren Standard in deutschen Schutzgebieten mit katastrophalen Ergebnissen in Sachen Insektenbiomasse”
Der klassische Naturschutzansatz – der häufig einen vollständigen Nutzungsverzicht vorsieht- schliesst häufig Weidetiere aus Landschaften aus.
Wo fehlt der Blick aufs große Ganze?
Natur- und Artenschutz fehlt nach wie vor die dringend notwendige politische Unterstützung. Das zeigt sich z.B. in der Mittelausstattung oder in Gesetzgebungsverfahren. (Verlinkung Artikel WeideNICHTFörderung)
Neben diesen strukturellen Problemen ist aber auch die Denkweise und somit die Umsetzung von Schutzmaßnahmen im Naturschutz zu wenig erfolgreich. „Konventioneller“ Naturschutz denkt oft in zu kleinräumigen Flächeneinheiten. Diese sind hinsichtlich ihrer Artenausstattung zwar gut erfasst, aufwändig beplant und mit ausgeklügelten Management- und Pflegeplänen belegt – das große Ganze gerät hingegen aus dem Blickfeld.
Vernetzungsstrukturen zwischen den einzelnen Schutzflächen fehlen, eine Verinselung der Biotope ohne die Möglichkeit des genetischen Austausches führt zur sukzessiven Verarmung der genetischen Vielfalt der Artengruppen und im schlimmsten Fall zum leisen Verschwinden von Arten.
“Botaniker kommen aus der Denkschule der 1920er und 1930 Jahre und haben die Beweidungsmethoden der 60er Jahre im Kopf.” – Edgar Reisinger, Biologe und Beweidungsexperte
Tiere auf der Weide – eine Quelle des Chaos – und warum genau darin die Chance liegt.
Klassische Denkweisen des Naturschutzes haben die Tendenz, zu überplanen, um vermeintliche Kontrolle über Entwicklungsprozesse und Artzusammensetzungen zu erlangen. Großherbivoren auf Flächen zu lassen und in den Prozess zu vertrauen, ohne einzugreifen ist auch eine gedankliche Herausforderung für viele Planer. Rinder erzeugen offene Trittstellen, Fressen oder Zertrampeln auch streng geschützte Arten – ein Graus für jedes Planungsbüro mit festgezurrter Zielsetzung an Artinventar und finalem Entwicklungsziel von Schutzgebieten.
Welches Mindset braucht Naturschutz um Beweidung „auszuhalten“?
Verantwortliche müssen Vertrauen entwickeln in die Grundidee: Kommen die großen Tiere – kommt das Ökosystem, nicht umgekehrt.
Zahlreiche Rewilding Projekte überall auf der Welt zeigen diese Positiventwicklung. Diese passiert oftmals sehr viel schneller, als man es sich erträumen ließe. Ein echter Lichtblick für die Biodiversitätskrise.
Das Nicht-Management von Schutzgebieten ist sozusagen das geeignete Management-Instrument für Graslandökosysteme, die durch Pflanzenfresser geformt und stetig verändert werden.
“Naturschützer gärtnern gern.”
Beweidung als großräumigen Natur- und Artenschutz zu verstehen, braucht eine entscheidende Fähigkeit von Naturschützer:innen: die Bewirtschafter als echte Partner:innen anzuerkennen und nicht als bloße Dienstleister, um genaue Pflegepläne durchzuführen. Naturschutz braucht das Erfahrungswissen von Landwirten:innen, um den schmalen Grad zwischen Unter- und Überbeweidung von Flächen zu gehen.
Das bedarf mitunter einen radikalen Perspektivwechsel– hinein in die Beweg- und Hemmnisgründe von Landwirt:innen für oder gegen die Beweidung.
Sektorübergreifende Dialogräume, in denen sich Vertreter von Landwirtschaft und Naturschutz auf Augenhöhe begegnen sind notwendig, um Vertrauen aufzubauen und den gegenseitigen Wissenstransfer zu unterstützen.
Ist eine Beweidung von Naturschutzflächen günstiger, als sie maschinell zu pflegen?
Um Naturschutzflächen maschinell zu pflegen sind Planungs- und Pflegeaufwände erforderlich. “Die Kosten für die Pflegemahd werden auf etwa 500 bis 1.000 Euro pro Hektar und Jahr geschätzt. Für Maßnahmen zur Entbuschung ist mit Kosten von rund 8.000 bis 10.000 Euro etwa alle zehn Jahre zu rechnen.” so Hans Huss, Projektmanager von H&S, Freising.
Trotzdem schlagen vor allem die hohen Investitionskosten für Weidezäune, Futterraufen usw. so stark zu Buche, dass die Kostenrechnung oftmals gegen die Beweidung ausfällt.
Er stellt in einer Beispielsrechnung fest, dass vor allem bei kleinen Schlaggrößen die Investitionskosten so hoch sind, dass eine Kostendeckung bei weitem nicht möglich ist. Aber auch bei Schlaggrößen über 100 Hektar müsste die Beweidungsprämie zusätzlich mind. 520 €/ha betragen, um selbst bei Pachtfreiheit in den kostendeckenden Betrieb zu kommen.
Auch Edgar Reisinger, Biologe und Beweidungsexperte sagt: “Mahd ist aufwandsärmer und kostengünstiger als die extensive Beweidung. Dies gilt zumindest auf flachen, unproblematischen Flächen. Auf schwer zugänglichen Extremstandorten sieht das anders aus. Die Mahd bedeutet 14 Tage Arbeitsaufwand, die Beweidung bedeutet jeden Tag Kontrolle und Fürsorge – die Agrar-Förderprogramme bilden diesen Mehraufwand in keinster Weise ab.”
Quellen:
- Hallmann, C.A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H. & de Kroon, H. (2017) More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS ONE, 12(10), e0185809.
- Haft, J. (2024) Warum Berge und Rinder zusammengehören. In: Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt, 89./90. Jahrgang 2024/2025. München: Verein zum Schutz der Bergwelt, S. 449–466.
- Brlík, V., Šilarová, E., Škorpilová, J., Alonso, H., Anton, M., Aunins, A. et al. (2021) Long-term and large-scale multispecies dataset tracking population changes of common European breeding birds. Scientific Data, 8:21. doi:10.1038/s41597-021-00804-2.
Quelle
Autoern
1.
2.
Abstract
dgasdgadsgdfgdfg
Bewertung
dfasdgdsgdsg
Was versteht man unter “Wilden Weiden”?
von Lioba Degenfelder
Untenstehende Erklärung dient lediglich der Klärung der Begriffe, ohne eine Bewertung des jeweiligen Beweidungssystems vorzunehmen.
Was versteht man unter „Wilde Weiden“?
Unter „Wilde Weiden“ versteht man großflächige, extensiv genutzte Weidelandschaften, auf denen meist ganzjährig große Pflanzenfresser wie Rinder, Pferde oder Rothirsche leben und die besonders artenreiche Lebensräume hervorbringen.
Durch das Fressen der Gräser und Grünlandpflanzen, der Blätter und Rinde von Gehölzen erhalten und schaffen die robusten Tiere lichte Bereiche und offene Bodenstellen in einer ansonsten von hohem, wenig artenreichem Bewuchs oder Wald dominierten Landschaft. Wenn mehr Licht auf den Boden fällt, bieten die Flächen mehr Lebensraum für verschiedene Pflanzen- und Tierarten.
Wilde Weiden werden derzeit vor allem realisiert, um Artenvielfalt zu fördern.
Warum und wo werden “Wilde Weiden” etabliert?
Ziel ist es, Lebensräume mit hoher Biodiversität wiederherzustellen — durch ein Mosaik aus Weiderasen, Buschlandschaften und lichten Gehölzen.
Derzeit werden “Wilde Weiden” vor allem in Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten, Biosphärenreservaten, Landschaftsschutzgebieten und zur Moorbeweidung etabliert.
„Solange Pflanzen und Pflanzenfresser miteinander leben und eine Art ökologisches Tauziehen veranstalten, ist die Landschaft vielfältig und die Artenvielfalt groß. Sobald die Pflanzenfresser fehlen, gibt es nur Verlierer.“
Was kennzeichnet eine „Wilde Weide“ aus?
In der Regel sind damit Flächen gemeint, die folgende Voraussetzungen aufweisen:
-mindestens 25 Hektar Fläche
-tiefe Besatzdichte
-naturschutzrelevante Lebensräume, meist halboffene Landschaften
-weitgehend selbstregulierte Ganzjahres‑ oder Langzeitbeweidungen
-mit robusten Rassen in offenen und halboffenen Landschaften
-Mischweide mit robusten Rassen (z. B. Rinder, Hirsche und Pferde)
Quellen
(1)
Bitte die Quellenangabe im Harvard Stil
Kontakt zur Autorin
Lioba Degenfelder
Projektmanagerin Tierwohl Nachhaltige Beweidung
Tel.: 089 / 17 95 95 17
ldegenfelder@schweisfurth-stiftung.de
copyright: Carla Hauptmann
Mit wachsender Weltbevölkerung rücken landwirtschaftlich genutzte Flächen als globale Ressource in den Fokus, denn über 95 % der menschlichen Nahrung stammen von Ihnen (1). Der Tierhaltung und den tierischen Lebensmitteln wird hoher Flächen-Ressourcenverbrauch vorgeworfen, denn sie würden über 80 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche beanspruchen, aber nur mit 42% des Proteins bzw. 18% der Energie zur Welt-Ernährung beitragen (2).
Viele Zukunftsmodellierungen von Ernährung und Landwirtschaft setzen deshalb auf die Reduktion besonders von Rindern, Rindfleisch und Milch, obwohl damit viel Grünland verbunden ist.
Die Landfläche wird als Ernährungsressource häufig nicht ausreichend differenziert und regionalisiert betrachtet. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche der Welt besteht zu 70% aus Dauergrünland (3,4), kann großteils nicht als Ackerland genutzt werden und ist zudem regional ungleich verteilt. Die Umwandlung in Acker verursacht zudem klimaschädliche Landnutzungsänderung (LandUseChange).
Die nichtessbaren Pflanzen der Wiesen und Weiden des Grünlands dienen als Futtermittel für Rinder, Schafe und Ziegen und ermöglichen so erst die Erzeugung tierischer Lebensmittel.
Um den Landverbrauch der Ernährung korrekt zu bewerten, müssen Lebensmittel und Futtermittel ihrer Herkunft nach, den Acker- oder den Dauergrünlandflächen zugeordnet werden (5, 6).
Dauergrünland stellt keine Nahrungskonkurrenz zur Landfläche der Äcker dar, bleibt jedoch, trotz seiner Größe, als wichtige Ressource oft undiskutiert.
Landverbrauch – Land ist nicht gleich Land
Ackerflächen (cropland) können zur Erzeugung vielfältiger pflanzlicher Früchte genutzt werden, die großteils direkt der menschlichen Ernährung zur Verfügung stehen (Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte). Sie sind eine zentrale Ressource und werden als planetarische Begrenzung menschlicher Ernährung hervorgehoben (7).
Die weltweite Intensivierung des Ackerbaus durch Stickstoff-Mineraldünger, Pestizide und Bewässerung (4, 9) steigerte die Erträge gut lager- und transportfähiger Kulturen wie Mais, Weizen, Soja und Gerste, die aber zu großen Teilen nicht der Humanernährung dienen, sondern als Tierfutter genutzt werden. Sie waren Treiber der Ausweitung intensiver Schweine-, Geflügelmast und Legehennenhaltung sowie verstärkter Milcherzeugung (10). Entsprechend „belegt“ derartige Tierproduktion große Teile der globalen Ackerflächen. Etwa 36 % der Kalorien und 53% des Proteins der Haupterntefrüchte der globalen Äcker werden an Tiere verfüttert (11). In der Reihenfolge des Land-Ressourcenverbrauchs stehen Rinder allerdings am Ende, denn der Großteil ihres Futters besteht aus Grünlandpflanzen (12).
Wieviel und welches Land belegen Tiere?
Um den Verbrauch der Landressourcen der Ernährung qualifiziert zu bewerten, muss zwischen Ackerland und Grünland unterschieden werden. Schweine und Hühner verbrauchen Ackerland. Rinder können potentiell ohne Ressourcenverbrauch des Ackers, nur grünlandbasiert Lebensmittel erzeugen, die aktuelle intensive Rindermast und Milcherzeugung stützen sich jedoch überwiegend auf Futtermittel aus Ackerland. (siehe Tabelle Ackerland-Ressourcenverbrauch)
Soll der planetarische Landverbrauch der tierischen Ernährung verringert werden, muss der Verzehr von Schweine- und Geflügelfleisch und Eiern sinken. Gleichzeitig sollte mehr Milch und Rindfleisch aus weide- und grünlandbasierter Rinderhaltung verzehrt werden. Dadurch ließen sich der Ressourcenverbrauch des Ackerlands und Nahrungskonkurrenz deutlich verringern. Es wäre mehr pflanzliche Nahrung für Menschen verfügbar.
Ein höherer Konsum von Milch und Rindfleisch aus derart ernährungspositiver Rinderhaltung mit hohen Anteilen von Grünland-Futter (Weidegras, Wiesengras, Heu, Silage), würde den Ackerland-Verbrauch, die Nahrungskonkurrenz und die Lebensmittelverluste durch Fütterung an Tiere deutlich verringern.
Warum sind Rinder herausragend ernährungspositive Tiere?
Futtermittel für Tiere enthalten häufig menschlich essbare Anteile aus Ackerbau, das verursacht Nahrungskonkurrenz. Die Fütterung von essbarem Mais, Weizen, Soja und Gerste an Tiere geht zudem einher mit Lebensmittelverschwendung: Bei der Umwandlung essbarer Futtermittel in tierische Lebensmittel treten in den Tieren Verluste auf. So erscheint nur ein Bruchteil der Energie und des Proteins des Futters später wieder in den Lebensmitteln. Menschliche Nahrung geht verloren, die Tiere sind „ernährungsnegativ“.
Werden jedoch Rinder mit hohen Anteilen an „nichtessbarem“ Gras, weide- und grünlandbasiert und mit nur wenig Kraftfutter gefüttert, kehren sie zu ihrer historischen Rolle als zentrale Nutztiere zurück: Sie sind „ernährungspositiv“ und erzeugen mehr essbare Lebensmittel, als an sie gefüttert wird.
Ist die Zahl > 1 liefern die Tiere netto Lebensmittel (Energie oder Eiweiß). (Siehe Tabelle LKE)
Quellen
(1)
(1) FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 53
(2)
(2) FAOSTAT, Food Supply (Kcal) und Protein, 2023, World Total, Grand Total, Vegetal Prod, Animal Prod, Abruf 1.2.2026, https://www.fao.org/faostat/en/#data/FBS
(3)
(3) FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Table 3, Agricultural Land by Use 2021
4)
(4) IPCC (2019) Summary for Policymakers. S.8 In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems, https://doi.org/10.1017/9781009157988.001
Quellenangaben:
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 53
- FAOSTAT, Food Supply (Kcal) und Protein, 2023, World Total, Grand Total, Vegetal Prod, Animal Prod, Abruf 1.2.2026, https://www.fao.org/faostat/en/#data/FBS
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Table 3, Agricultural Land by Use 2021
- IPCC (2019) Summary for Policymakers. S.8 In: Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems, https://doi.org/10.1017/9781009157988.001
- Flachowsky, G. et al. (2017) Land Use for Edible Protein of Animal Origin—A Review
- O’Mara, F.P. (2012) The role of grasslands in food security and climate change, Annals of Botany 110: 1263–1270, 2012, doi:10.1093/aob/mcs209
- Eat-Lancet Commission (2019), Summary Report, Healthy Diets for Sustainable Food Systems
- Willet, W. et al. (2019) Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets for sustainable food systems
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 15, Figure 16
- FAO (2023) Statistical Yearbook 2023, WORLD FOOD AND AGRICULTURE, Figure 26, Figure 28
- Cassidy E.S. (2013) Redefining agricultural yields: from tonnes to people nourished per hectare, Table 2 doi:10.1088/1748-9326/8/3/034015
- Schader C et al. (2015) Impacts of feeding less food-competing feedstuffs to livestock on global food system sustainability. Figure 3, J. R. Soc. Interface 12: 20150891. http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2015.0891
- Mück U. (2023) Wiesen und Weiden in den Warenkorb – Über die Ernährungsökologie des Grünlands, Kritischer Agrarbericht 2023, S.160-164
Was macht Dauergrünland und Beweidung so einzigartig?
von Anita Idel
Heute wird weitgehend nicht wahrgenommen, warum Gräser nach Beweidung oder Mahd immer wieder weiterwachsen. Gräser haben sich über 20 Millionen Jahre in Ko-Evolution mit Weidetieren so sehr daran angepasst, dass sie nicht trotz, sondern wegen der Beweidung wachsen.
Mit der Beweidung entwickelte Dauergrasland seine biologische Vielfalt und Flexibilität. Heute bedeckt dieses grösste terrestrische Ökosystem mehr als 40 Prozent der weltweiten Landfläche.
Nachhaltige Beweidung erhöht die Bodenfruchtbarkeit und trägt dadurch zum Klimaschutz bei. Durch temporäre Beweidung können auch Ackerböden (wieder) Fruchtbarkeit generieren.
Grasland kann fast überall wachsen – auch wo es zu kalt, zu trocken oder zu nährstoffarm für Bäume oder den Ackerbau ist. Zudem ist es an extreme Temperaturwechsel angepasst: langfristig an die Jahreszeiten oder kurzfristig an den Tag-Nachtrhythmus.
Infolge der Ko-Evolution, verbuscht oder verwaldet Grasland, wenn dauerhaft nicht beweidet oder gemäht wird.
Überschrift
Grasland ist das erfolgreichste terrestrische Biom: Kein Ökosystem bedeckt mehr globale Landfläche. Mit der Beweidung entwickelte Dauergrasland – lokal und regional spezifisch – seine biologische Vielfalt: jeweils verschiedene Gräser, Kräuter und Leguminosen.
Bis zum Beginn des Chemie-Zeitalters verfügten die Böden über diese Vielfalt in ihren Samenbanken.
Sie ermöglichte dem Grasland eine enorme Resilienz durch Anpassungsfähigkeit: Unterschiedlichste Samen konnten zeitnah keimen und auf wechselndes Wetter – bzw. Wetterextreme wie Überschwemmungen – flexibel reagieren.
Testvideo
Alle Grasland-Ökosysteme entstanden mit verschiedenen Weidetierarten. Seit der letzten Eiszeit (Glazial) dominieren dabei jeweils Wiederkäuer – in weiten Regionen Eurasiens der Auerochse. Alle Rinder stammen vom Auerochsen ab. Mit angemessenem Weidemanagement können sie seine Funktion im Ökosystem Grasland ersetzen. (siehe Artikel…)
Überschrift
Heute bildet Dauergrasland die grösste Perma- und Mischkultur. Gefolgt vom Wald bedeckt keine Pflanzengesellschaft mehr globale Landfläche. Gras- und Baumsamen können ab circa [Formel] keimen und wachsen, wenn genügend Licht verfügbar ist.
Während der letzten Kaltzeit (Weichsel-Glacial) von vor 115.000 bis vor rund 12.000 Jahren dominierte Grasland ebenfalls die Vegetation – damals mit großssem Abstand vor dem Wald. Zu Beginn einer Kaltzeit wird mit zunehmender Kälte immer mehr Wasser in Gletschern gebunden. Mit ausbleibendem Regen verkümmern Wälder und Solitäre sukzessive wegen ihres hohen Wasserbedarfs (an heissen Tagen: Buchen bis 400, Eichen über 1.000 Liter).
Mit endender Kaltzeit können sich Grasland und Weidetiere noch weiter ausbreiten. Sowie die zirkulierende Feuchtigkeit wieder für ein Buschstadium und später auch für das Wachstum von Bäumen und Wäldern reicht, entscheidet das Vorhandensein von Weidetieren und deren Anzahl darüber, ob das Land offenbleibt.
Grasland ist über Millionen Jahre in einer einzigartigen KoEvolution mit Weidetieren entstanden. Das Alleinstellungsmerkmal der Gräser: Sie wachsen nicht „trotz“, sondern „wegen“ der Beweidung.
Anpassung durch KoEvolution
Weil Gräser eine spezielle Wachstumsdynamik entwickelt haben, kann ihnen der „Biss“ nicht schaden. Denn die Wachstumszone, aus der heraus ein Grashalm (weiter-)wächst, liegt bodennah an seinem unteren Ende – an seiner Basis. Deshalb behält ein Grashalm oben seine gerade Abrisskante, wenn er nach der Beweidung – von unten – weiterwächst. Sein Wachstum erfolgt nicht durch Verlängerung seiner Spitze.
So bleibt Grasland erhalten durch seine KoEvolutionspartner. Ohne die Weidetiere bzw. deren partiellen Imitator, die Mahd, verbuscht oder verwaldet es.
Der Erfolg dieser einzigartigen KoEvolution: Dauergrasland bildet die größte Pflanzengesellschaft auf der globalen Landfläche.
Überschrift
Gräser profitieren sogar von der Beweidung. Sie löst bei ihnen einen Wachstumsimpuls aus und verstärkt ihre Photosyntheseleistung: Sie nehmen mehr CO2 aus der Atmosphäre auf und können mehr Pflanzenbiomasse bilden. Darüber hinaus investieren sie einen erheblichen Teil der Energie, die sie mit der Photosynthese aufnehmen, in die Bildung von Wurzel-Exsudaten. Mit dieser energiereichen Nährlösung „füttern“ ihre Wurzeln Bodenlebewesen, insbesondere Mikroorganismen, und tragen so – über die Verrottung ihrer Wurzeln hinaus – wesentlich zur Humusbildung bei.
Wachstum aus der Triebspitze
Andere Pflanzen wachsen, in dem sie oben an ihren Triebspitzen den Spross verlängern. Eine Pflanze, die wie ein Baumschössling nur über einen einzigen Spross verfügt, stirbt ab, wenn dieser abgefressen wird.
Abwehr gegen das Gefressenwerden
Hingegen versuchen viele Pflanzen, Frassverluste zu vermeiden. Einen erheblichen Energieaufwand erfordert die verbreitete Strategie, sich mit Dornen oder Stacheln dagegen zu wehren. Dabei richtet der Ilex (Stechpalme) seinen Energieaufwand nach dem Frassdruck: Seine Blätter bilden umso weniger Stacheln, je weniger Mäuler sie erreichen können.
Noch energieaufwändiger sind Bitterstoffe, denn sie müssen permanent neu gebildet werden. Im Frühjahr schmecken die Sprosse von Nadelgehölzen extrem bitter, solange sie hellgrün und zart sind. Häufig investieren Pflanzen am meisten Energie in der Dämmerung, weil dann der Frassdruck am höchsten ist.
Manche Pflanzen versuchen Frassverluste durch bodennahes Wachstum zu vermeiden. So entkommen sie – wie der kriechende Günsel – weitgehend dem Tiermaul.
Heute bedeckt Grasland mehr als 40 Prozent der globalen Landfläche.
Sein Anteil an der weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt 70 Prozent (in Deutschland weniger als 30 Prozent).
Wie sind die „Kornkammern“ der Erde entstanden?
Grasland kann auf marginalen sog. Grenzertragsböden wachsen – insbesondere auch, wo es zu trocken, zu kalt oder zu nährstoffarm für Bäume oder den Ackerbau ist.
Weniger bekannt sind Ursprung und Entwicklung der weltweit fruchtbarsten Böden. Hohe Lössanteile boten eine günstige Voraussetzung, aber sie wuchsen (wie alle Böden) von oben: durch Jahrtausende lange Beweidung. Zu diesen Kornkammern zählen die Schwarzerdeböden (Tschernoseme) der Prärien in Nordamerika, der Ukraine, der Puszta in Ungarn, des Bărăgans in Rumänien, des Pannonischen Tief- und Hügellandes in Österreich, der Böden in den deutschen Tieflandsbuchten sowie Kasachstans, der Mongolei und Chinas (Mandschurei) und auch der subtropischen Pampas in Argentinien und Uruguay.
Zusammenfassung
Grasland ist über Millionen Jahre in einer einzigartigen KoEvolution mit Weidetieren entstanden. Das Alleinstellungsmerkmal der Gräser: Sie wachsen nicht „trotz“, sondern „wegen“ der Beweidung. Alle anderen Pflanzen versuchen, nicht gefressen zu werden.
Das Alleinstellungsmerkmal der Gräser: Sie wachsen nicht „trotz“, sondern „wegen“ der Beweidung. Alle anderen Pflanzen versuchen, nicht gefressen zu werden.
Autorin
Anita Idel ist eine deutsche Tierärztin, Agrarwissenschaftlerin und Mediatorin. Sie war und ist Lehrbeauftragte an mehreren Hochschulen, zuletzt an der FH Münster. Öffentlich bekannt wurde sie 2010 durch ihr Buch Die Kuh ist kein Klima-Killer! Idel war von 2005 bis 2008 eine Autorin des UN-Weltagrarberichtes.
Kontakt
www.anita-idel.de