Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Für den Schutz von Fluss- und Auenlandschaften
Um den Naturschatz der Flüsse und Auen weltweit zu bewahren, wird der mit 20.000 Euro dotierte Preis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft vergeben. Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis wird aus Mitteln des Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung gefördert.
Den Naturschatz bewahren
Flüsse sind die Adern des Lebens. Sie versorgen ihre Umgebung mit Frischwasser und bieten einen vielfältigen Lebensraum für eine Fülle an Pflanzen und Tieren.
Flüsse spielen eine tragende Rolle bei der Regulierung des Klimas. Dennoch werden sie immer noch unzureichend vor Eingriffen geschützt. Flusslandschaften sind heute die am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt. Besonders leiden die Lebensadern unter dem Bau fortwährend neuer Wasserkraftwerke, die wie Geschwüre wuchern und die Landschaften für immer komplett verändern, teilweise sogar unfruchtbar machen.
Über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Der Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ist benannt nach Wolfgang Staab (1938-2004), der sich an der Spitze des BUND-Landesverbandes Rheinland-Pfalz einen Namen machte. „Wer etwas tut, hat Recht. Wer nichts tut, hat Unrecht“ war ein Leitspruch des kämpferischen Umweltschützers, der 2004 bei einem Autounfall ums Leben kam. Dr. Dorette Staab stiftete den Preis, der 2015 zum ersten Mal vergeben wurde.
Jury-Mitglieder sind Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Emil Dister (ehem. KIT-Aueninstituts in Rastatt), Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung) und Sabine Riewenherm (Bundesamt für Naturschutz).
Bewerben oder nominieren für den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2027
Bewerbungen und Nominierungen für den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2027 werden aktuell entgegengenommen. Bitte nutzen Sie hierzu das Bewerbungsformular bzw. Nominierungsformular und schicken Sie die Unterlagen z.Hd. Nora Klopp oder per E-Mail an nklopp@schweisfurth-stiftung.de.
Die Preisträger:innen des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises
Preisträger 2025: Prof. Dr. Friedrich „Fritz“ Schiemer
Herausragender Einsatz für den letzten Wildfluss Europas mit Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet
Der österreichische Gewässerökologe Prof. Dr. Friedrich Schiemer erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis der Schweisfurth Stiftung
Der Gewässerökologe Prof. Dr. Friedrich Schiemer aus Österreich wurde mit dem mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2025 ausgezeichnet. Der Preis wird gefördert mit Mitteln aus dem Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung. Schiemer setzt sich seit Jahrzehnten auf herausragende Weise wissenschaftlich und politisch für den Schutz von Flüssen und Flussauen ein. Als Vorsitzender des Vereins RiverWatch engagiert er sich seit 2012 verstärkt für die Vjosa in Albanien – den letzten frei fließenden Fluss Europas außerhalb Russlands. Dank seines Einsatzes wurde der Bau zweier Wasserkraftwerke an dem Fluss verhindert und im Jahr 2023 die Vjosa zu Europas erstem Wildfluss-Nationalpark ausgerufen. Die Preisverleihung an Friedrich Schiemer fand im Rahmen der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgerichteten Fachtagung „Bundesprogramm Blaues Band Deutschland“ am 23. September in Bonn statt.
Dr. Alfred Herberg, Leiter des Fachbereichs II, Schutz, Entwicklung und nachhaltige Nutzung von Natur und Landschaft, im BfN: „Die Vjosa ist einer der letzten großen unverbauten Wildflüsse in Europa. Sie und ihre Nebenflüsse bilden ein Ökosystem mit einer beträchtlichen biologischen Vielfalt von nationaler und globaler Bedeutung. Die Auszeichnung der Vjosa als Wildfluss-Nationalpark war ein Meilenstein, zu dem Friedrich Schiemer wesentlich beigetragen hat. Wir bedanken uns für seinen unermüdlichen Einsatz für den Schutz der Flüsse und gratulieren ihm von ganzem Herzen zu diesem würdigen Preis.“
Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Laudator: „Friedrich Schiemer ist es zu verdanken, dass sich zur Vjosa eine große Forschungsbewegung aus albanischen und internationalen Wissenschaftlern gebildet hat, die sich auch gegenüber der Politik Gehör verschafft. Sein zentrales Anliegen ist, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auf Augenhöhe in die politische Entscheidungsfindung einfließen. Dafür bringt er als Brückenbauer Akteure mit unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen an einen Tisch und sucht das Verbindende. Eine Eigenschaft, die heute wichtiger ist, denn je.“
Prof. Dr. Friedrich Schiemer: „Flusslandschaften verdienen als zentrale Landschaftselemente besonderen Schutz, sie zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Lebensraumtypen. Ich bin der Stifterin Dr. Dorette Staab sehr dankbar, dass sie über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis die besondere Bedeutung des Flussschutzes hervorhebt und das herausragende Engagement der Flussschützer wertschätzt. An der Vjosa ist nach wie vor der Einsatz von Wissenschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Die industrielle Nutzung, der Ausbau der Infrastruktur sowie Missmanagement gefährden die ökologische Integrität des Nationalparks – und seinen globalen Naturschutzwert.“
Zum Preisträger und seinem Engagement
Prof. Dr. Friedrich Schiemer wurde 1941 in Wien geboren. Er wuchs nahe der Donau auf und begeisterte sich bereits als Kind an Streifzügen durch die wilde Natur der Donau-Auen. Friedrich Schiemer studierte Zoologie und Botanik an der Universität Wien und forschte danach in den USA und in England. Zurück in Österreich war er beteiligt an der Besetzung der Hainburger Au im Dezember 1984, wo ein Wasserkraftwerk gebaut werden sollte. Gemeinsam mit weiteren Forschern lieferte er wissenschaftlichen Argumente und Daten für den Schutz der Donauflusslandschaft. Die Hainburger Au wurde 1996 zum Nationalpark erklärt.
Ab 1968 lehrte und forschte der inzwischen emeritierte Schiemer als Universitäts-Professor für Limnologie (der Wissenschaft der Binnengewässer als Ökosystem) an der Uni Wien, er gründete und leitete dessen Institut für Ökologie und Naturschutzbiologie.
Seit 2012 liegt der Schwerpunkt seines Engagements als Vorsitzender von RiverWatch auf der Vjosa in Albanien, dem größten Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Schiemer brachte lokale und internationale Wissenschaftler:innen in Albanien zusammen, um das Flussökosystem der Vjosa zu erforschen. Die von ihm und seinen Forschungskollegen vorgelegten Studien verhinderten den Bau zweier Wasserkraftwerke. Wegen Friedrich Schiemers Verdiensten wurde das im Oktober 2020 im Beisein des damaligen Albanischen Präsidenten Ilir Meta eröffnete Vjosa Research Center in Tepelena nach ihm benannt.
2023 wurde die Vjosa in ihrem gesamten Lauf in Albanien sowie vier ihrer Zuflüsse – Bënçë, Shushica, Drinos und Kadhiq – in einer Länge von insgesamt 400 Kilometern und mit einer Fläche von mehr als 12.700 Hektar zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas erklärt.
Über den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Wolfgang Staab (1938-2004) machte sich als leidenschaftlicher Umweltschützer in Rheinland-Pfalz einen Namen. Als Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz des BUND wirkte er viele Jahre sehr erfolgreich; später war er als Schatzmeister im BUND-Bundesverband tätig. Im Jahr 2014 richtete Dr. Dorette Staab den Wolfgang Staab-Naturschutzfonds innerhalb der Schweisfurth Stiftung ein. Seitdem wird der mit 20.000 dotierte Preis an Einzelpersonen aus Wissenschaft und Umweltschutz vergeben, die sich im besonderen Maße für eine nachhaltige Entwicklung der Fluss- und Auenlandschaft und damit für Ökosysteme von überregionaler Bedeutung einsetzen.
Für die Verleihung des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2027 können ab sofort Bewerbungen beziehungsweise Nominierungen bei der Schweisfurth Stiftung eingereicht werden.
Über die Fachtagung im Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“
Die Verleihung des diesjährigen Wolfgang Staab-Naturschutzpreises fand im Rahmen einer Fachtagung des BfN zum Bundesprogramm Blaues Band Deutschland statt. Mit dem Bundesprogramm setzen sich das Bundesumweltministerium und Bundesverkehrsministerium gemeinsam für eine naturnahe Entwicklung der Bundeswasserstraßen und ihrer Auen ein. Im Bundesprogramm ist das BfN für die Umsetzung des „Förderprogramm Auen“ verantwortlich; darüber können verschiedene Akteure wie Verbände, Vereine oder Kommunen Fördergelder für Umsetzung von Auenrenaturierungsmaßnahmen einwerben. Auf der Fachtagung wurde zum einen die Renaturierung von Wasserstraßen und ihrer Auen in Zeiten des Klimawandels beleuchtet und über Projektentwicklung und Antragstellung, Kooperationsmöglichkeiten und Zusammenarbeit mit Trägern öffentlicher Belange diskutiert.
Fotos (v.l.n.r.): Prof. Dr. Klement Tockner (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung), Dr. Annette Dörpinghaus (Bundesamt für Naturschutz), Prof. Dr. Friedrich Schiemer (Preisträger Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2025, Riverwatch), Dr. Dorette Staab (Stifterin Wolfgang Staab-Naturschutzpreis), Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehm. KIT-Aueninstitut)
Copyright: Sarah Larissa Heuser
Preisträger 2023: Georg Frank
Flussschutz ohne Grenzen
Der österreichische Biologe Georg Frank erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2023
Die Schweisfurth Stiftung hat Georg Frank, Generalsekretär des transnationalen Donauschutzvereins DANUBEPARKS, mit dem diesjährigen mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Fachtagung Bundesprogramm Blaues Band Deutschland an Main und Neckar in Mannheim statt, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausgerichtet wurde.
Im Verein DANUBEPARKS sind Donauschutzgebiete aus fast allen Donauländern zusammengeschlossen, darunter Rumänien, Moldawien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Österreich und Deutschland. Der Einsatz von Georg Frank für den Aufbau des Vereins hat wesentlich dazu beigetragen, dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit für den Naturschutz an der Donau deutlich gestärkt wurde.
Sabine Riewenherm, Präsidentin des BfN, das in der Jury zur Vergabe des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises vertreten ist: „Die Donau ist eine Modellregion für transnationale Bemühungen des Naturschutzes in Europa. Für etwa 83 Millionen Menschen ist die Donau Lebensgrundlage, Garantie für Trinkwasser, für frische Luft und wertvoller Erholungsraum. Ihre Fluss- und Auenlandschaften beheimaten mehr als 2.000 Gefäßpflanzen und über 5.000 Tierarten. Georg Frank hat es mit seiner Kompetenz und seinem Engagement geschafft, den Schutz dieses einzigartigen Naturraums über Ländergrenzen hinweg aufzubauen und erfolgreich zu machen. Er hat diesen Preis mehr als verdient!“
Carl Manzano, ehemaliger Direktor des Nationalparks Donau-Auen und Laudator: „Die Naturschätze der Donau stehen zunehmend unter Druck. Zersiedelung, Verkehrsprojekte, Energiegewinnung sowie intensive Landnutzung belasten die Artenvielfalt des Flusses. Das Vernetzen von Schutzgebieten entlang des gesamten Flussverlaufs ist essentiell, um die biologische Vielfalt zu erhalten bzw. wieder aufzubauen. Georg Frank ist es zu verdanken, dass Europa bei dieser Aufgabe einen großen Schritt voran gegangen ist.“
Georg Frank, 48-jähriger Biologe aus Österreich und Gewinner des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2023: „Die Gründung, der Aufbau und die Etablierung von DANUBEPARKS ist eine meiner größten beruflichen Errungenschaften. Alle meine Projektideen sind getragen von der Vision, den Verein weiter in seiner Vorbildrolle für länderübergreifenden Naturschutz und als Modell für die Donau, für Europa und alle großen Flüsse zu stärken. Ich bin sehr dankbar für die Auszeichnung dieser Arbeit durch die Schweisfurth Stiftung. Das Preisgeld werde ich für den Aufbau weiterer Naturschutzmaßnahmen an diesem wunderbaren Fluss verwenden.“
Hintergrund – Georg Frank und der Verein DANUBEPARKS
Georg Frank wurde 1974 in Scheibbs im österreichischen Alpenvorland geboren. Er schloss 2002 sein Biologiestudium (Zoologie) an der Universität Wien ab und arbeitete seitdem in verschiedenen Donau-Projekten. Im Jahr 2007 übernahm er die Initiative zum Aufbau des Vereins DANUBEPARKS, um die donauweite und grenzübergreifende Naturschutzarbeit an Europas zweitgrößtem und zweitlängstem Fluss zu stärken. 2014 wurde DANUBEPARKS gegründet, seitdem leitet Georg Frank den gemeinnützigen Verein als Generalsekretär.
Im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins steht die Umsetzung von konkreten Naturschutzmaßnahmen entlang der Donau in Rumänien, Moldawien, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, die Slowakei, Österreich und Deutschland. Durch das Engagement von Georg Frank konnten bis heute mehr als 30 Millionen Euro für konkrete donauweite Naturschutzinitiativen eingesetzt werden. Das LIFE WILDisland-Projekt des Vereins gehört zu den größten Naturschutz-Projekten Europas. Zahlreiche Inseln und über 48 Kilometer Gewässer wurden renaturiert, 1.440 Hektar an Lebensräumen verbessert.
Die EU-Kommission hat DANUBEPARKS als bestes europäisches Naturschutz-Netzwerk mit dem Natura 2000 Award sowie als ersten Preisträger mit dem Living Danube Award geehrt.
Foto (v.l.n.r.): Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung), Dr. Ina Quick (BfN), Dr. Dorette Staab (Stifterin Wolfgang Staab-Naturschutzpreis), Georg Frank (Preisträger 2023), Carl Manzano (Carl Manzano, Ehrenpräsident Danubeparks); Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehm. KIT-Aueninstitut)
Copyright: Daniel Weisser
Preisträger 2022: Laszlo Galambos
Herausragender Einsatz für den Schutz der Donau
Der serbische Ökologe Laszlo Galambos erhält den Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2022 der Schweisfurth Stiftung
Dank seiner Expertise und seines Engagements wurden in Serbien erstmals Maßnahmen zur Renaturierung von Auen und zum Schutz gefährdeter Fischarten an Donau, Save und Theiß vorgeschlagen und umgesetzt: Laszlo Galambos aus Novi Sad gilt als eine der zentralen Figuren des Auenschutzes in der Provinz Vojvodina im Norden Serbiens. Für seinen herausragenden Einsatz für naturnahe Flüsse wurde Galambos nun mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis der Schweisfurth Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und einer der höchstdotierten Naturschutzauszeichnungen Deutschlands.
Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, das in der Jury zur Vergabe des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises vertreten ist: „Der Hitzesommer hat gezeigt, wie sehr wir auf Wasser in unseren Flüssen und in unserer Landschaft angewiesen sind. Angesichts zunehmender Temperaturen muss alles darangesetzt werden, Wasser in unseren Böden zu halten. Auen und Feuchtgebiete sind natürliche Wasserspeicher und müssen dringend geschützt und wiederhergestellt werden. Laszlo Galambos hat den Naturschutz an Flüssen in Serbien vorbildlich gestärkt.“
Donau, Save und Theis fließen in der Provinz Vojvodina noch viel naturbelassener als die großen Flüsse Deutschlands. Historische Überschwemmungsgebiete, Sümpfe und Auwälder sowie seltene Fischarten wie Wildkarpfen und Hundsfisch sind dort noch zu finden. Doch die Flusslandschaft ist durch Wasserbaumaßnahmen, Verschmutzung, Zerstörung und die Überfischung stark bedroht, gleichzeitig haben Umwelt- und Naturschutz in Serbien bislang noch keine hohe Bedeutung.
Der Ökologe Laszlo Galambos (39 Jahre) verschaffte sich jedoch aufgrund seines Fachwissens in Fischkunde und in der Ökologie von Binnengewässern hohes Ansehen in den für das Wasserstraßen-Management zuständigen serbischen Behörden. Dank seiner Expertise und seines auch ehrenamtlichen Engagements in entsprechenden Stakeholder-Foren wurden erstmals Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz an serbischen Flüssen umgesetzt. So wurde nahe der Stadt Novi Sad ein sechs Kilometer langer alter Seitenarm der Donau ausgebaggert und wiederhergestellt. Galambos leistete zudem wesentliche Beiträge zu europäischen Projekten zum Auenschutz an der Donau, zum Schutz des Donaustöre sowie zur künftigen Einrichtung des Natura2000-Netzwerks der EU in Serbien.
Laszlo Galambos, Gewinner des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2022: „Es gibt keine Alternative zu gesunden Flüssen, sie sind überlebenswichtig für uns Menschen. Die Fischerei, die Forstwirtschaft, die Schifffahrt und die Landwirtschaft – sie alle hängen von ihnen ab. Gerade in Zeiten der Klimakrise braucht es gezielte Maßnahmen, um Flüsse in ihren natürlichen Zustand zu bringen. In Serbien ist die Arbeit als Naturschützer nicht so einfach. Der Preis gibt mir Mut und Motivation, mich weiter mit vollem Engagement für gesunde Flüsse, Auen und Feuchtgebiete einzusetzen.“
Über Laszlo Galambos
Laszlo Galambos wurde 1983 in Novi Stad geboren und verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit in der Natur und an der Donau. Er schloss 2007 sein Master-Studium der Ökologie an der Universität Novi Stad ab und arbeitet seitdem am Naturschutzinstitut der Provinz Vojvodina. Der Schutz der Flüsse ist, wie er selber sagt, seine Herzensangelegenheit.
Galambos ist weit über seine institutionell bedingten Aufgaben hinaus aktiv. Sein Fachwissen in der Fischkunde (Ichthyologie) und in der Süßwasserökologie ist international anerkannt. In seiner Region Vojvodina gilt er als der Fachmann und Schlüsselperson für den Fischschutz, für Fragen des Fischereimanagements und der aquatischen Biodiversität. Seine Aktivitäten zielen darauf ab, neue Erkenntnisse über den Schutz, den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung von Flüssen und Auen zu sammeln und anschließend konkrete Maßnahmen umzusetzen, die dazu beitragen, die Flüsse in Zukunft in gutem Zustand zu erhalten.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehem. KIT-Aueninstitut), Nenad Sekulic (Institut für Naturschutz, Serbien), Laszlo Galambos (Naturschutzinstitut der Provinz Vojvodina), Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung)
Copyright: Christian Brüssel
Preisträgerin 2021: Andreja Slameršek
Unermüdliche Kämpferin für den Erhalt frei fließender Flüsse ausgezeichnet
Dass die zwei großen Flüsse Sloweniens, die Mur und die Save, noch weitgehend ungehindert durch ihre Flussbetten fließen können, ist maßgeblich der Naturschützerin Andreja Slameršek zu verdanken. Ihr gelang es mit der Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen, mehrere geplante Wasserkraft-Projekte zu stoppen, die die einzigartigen, ökologisch wertvollen Auenlandschaften der beiden Flüsse zerstört hätten. Für ihren herausragenden Einsatz für die Natur von europäischem Wert wurde heute die Biologin Slameršek mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis 2021 ausgezeichnet. Dieser Preis wird jährlich verliehen und ist mit 20.000 Euro dotiert – finanziert aus Mitteln des Wolfgang Staab-Naturschutzfonds der Schweisfurth Stiftung.
„Ohne den unermüdlichen, fachlich versierten Einsatz von Andreja Slameršek wären die geplanten Kraftwerke an Mur und Save wohl bereits genehmigt. Andreja ist eine Kämpfernatur, die wesentlich dazu beiträgt, wertvolle Flusslandschaften zu erhalten. Sie ist ein wichtiges Vorbild für alle, die sich für die Natur einsetzen und zwar trotz zum Teil heftiger Angriffe aus Behörden- und Regierungskreisen. Wir brauchen mehr solche ‚Davids‘ wie Andreja im Kampf gegen die Goliaths“, sagte Laudator Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von RiverWatch, bei der Preisverleihung in München.
Insgesamt acht Wasserkraftwerke sollten nach Plänen der Energiewirtschaft in Slowenien an der Mur entstehen und den Fluss auf mehr als 50 Kilometern aufstauen. Die Save wiederum soll in weiten Teilen in ein Band aus Stauseen verwandelt werden. Andreja Slameršek, Präsidentin der Slovenian Native Fish Society (DPRS), schrieb und koordinierte zum großen Teil ehrenamtlich die Eingaben und Klagen mehrerer Naturschutzorganisationen in allen relevanten Genehmigungsprozessen zum Bau der Wasserkraftwerke. Sie vernetzte Anwohner und verschiedene Gruppen aus Politik und Kultur, organisierte runde Tische, Filmabende, Ausstellungen und Medienaktionen.
Mit Erfolg: Seit 2019 ist die energetische Nutzung der Mur im nationalen Energie- und Klimaplan Sloweniens ausgeschlossen. Ebenfalls 2019 stoppte der slowenische Verwaltungsgerichtshof den Bau des geplanten Wasserkraftwerks Mokrice an der Save aufgrund formaler und inhaltlicher Mängel, im Sommer dieses Jahres bestätigte der Oberste Gerichtshof diese Entscheidung. Die Save und ihre einzigartige Fischfauna sind vorerst geschützt.
Gesunde Auen sind wie Lebensadern unserer Landschaft. Sie beherbergen eine faszinierende Artenvielfalt, sind natürliche Hochwasserspeicher und nehmen klimaschädliche Treibhausgase auf. Durch wasserbauliche Eingriffe wie Flussbegradigungen, Eindeichungen und Uferbefestigungen, durch den Bau von Wasserkraftwerken und die Erweiterung von Siedlungs- und Industrieflächen sind Flussauen jedoch inzwischen der am stärksten gefährdete Lebensraum Europas.
„Andreja Slameršek ist es gelungen, die hohe Bedeutung des Schutzes von Flüssen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und das Thema erfolgreich auf die politische Agenda zu setzen. Mit der Verleihung des Wolfgang Staab-Naturschutzpreises 2021 möchten wir sie in ihrer wichtigen Arbeit unterstützen und ihren herausragenden Einsatz würdigen“, begründet die Jury, bestehend aus Dr. Dorette Staab (Stifterin), Prof. Dr. Emil Dister (ehem. Karlsruher Institut für Technologie/Aueninstitut), Andreas Krug (Bundesamt für Naturschutz) und Dr. Niels Kohlschütter (Schweisfurth Stiftung), ihre Entscheidung.
Mur und Save – zwei bedeutende Flüsse für Slowenien und Europa
Die Mur in Slowenien ist Teil einer europäisch bedeutenden Flusslandschaft – dem „Amazonas Europas“– der die Flusssysteme von Mur, Drau und Donau umfasst und sich über Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien erstreckt. Die slowenische Mur und ihre Auen beherbergen die größten Auenwälder Sloweniens sowie eine ungewöhnliche Fischartenvielfalt mit über 60 Arten. Außerdem leben in dem Gebiet verschiedene bedrohte Tierarten, darunter Eisvogel, Schwarzstorch, Seeadler, Biber, Fischotter und viele mehr. Die slowenischen Mur-Auen sind als Natura 2000-Gebiet geschützt und wurden 2019 als Biosphärenpark von der UNESCO anerkannt.
Die Save ist Sloweniens größter Fluss. Sie ist teilweise als Natura 2000 Gebiet geschützt und vor allem aufgrund ihrer Fischfauna von großer ökologischer Bedeutung. Berühmt ist die Save für ihre Huchenbestände. Der Huchen ist mit den Forellen verwandt und kann bis zu 1,5 Meter lang werden. Ehemals weit verbreitet, gilt dieser „Tiger der Flüsse“ vor allem wegen des Wasserkraftausbaus heute als global bedroht.
Über Andreja Slameršek
Andreja Slameršek wurde 1980 in Ptuj im Nordosten Sloweniens geboren. Sie studierte Chemie und Biologie und arbeitete nach ihrem Studium im Slowenischen Institut für Naturschutz. Von 2016 bis 2020 war sie Geschäftsführerin der von ihr gegründeten Nature Conservation Consulting und ist seit 2015 ehrenamtliche Präsidentin der Slovenian Native Fish Society (DPRS).
Foto (v.l.n.r.): Samo Tuš (Präsident von Moja Mura), Andreja Slameršek (Preisträgerin) & Ulrich Eichelmann (Geschäftsführer von RiverWatch)
Copyright: Tatjana Simeth
Preisträger 2020: Georg Kestel
Herausragendes Engagement für die frei fließende Donau
Die Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist unter Naturfreunden als wahres ökologisches Juwel bekannt. Zahlreiche, häufig nur noch selten vorkommende Tier-und Pflanzenarten sind dort in der Fluss- und Auenlandschaft zu Hause. Dass dies auch heute noch der Fall ist, ist maßgeblich Georg Kestels langjährigem und unermüdlichen Einsatz zu verdanken: Mit zahlreichen Fachstellungnahmen und Gutachten trug er viel dazu bei, die Kanalisierung der Donau mit weiteren Staustufen und den Durchstich der Mühlhamer Schleife abzuwenden. Sein herausragendes Engagement wurde nun von der Münchner Schweisfurth Stiftung mit dem mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet.
Die jahrzehntelange und erbitterte Auseinandersetzung von UmweltschützerInnen und AnwohnerInnen mit den Staubefürwortern in der Politik hat sich gelohnt: Im Februar 2013 beschloss die bayerische Staatsregierung die Pläne für den massiven Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen aufzugeben und stattdessen einen sanften, umweltverträglicheren Ausbau durchzuführen. Diese Entscheidung war und ist bedeutend für den Gewässer-und Auenschutz in ganz Deutschland. Der breite und im Lauf der Jahre stetig wachsende Widerstand von Naturschutzverbänden, allen voran des BUND Naturschutz, verschiedener Bürgerinitiativen und der AnwohnerInnen hat die Politik zum Umdenken gebracht –ein wichtiger Erfolg, um Flüsse und ihre Auen, die aktuell am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt, zu schützen. „Über die Auszeichnung mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis freue ich mich sehr, denn damit wird stellvertretend auch das jahrzehntelange Engagement vieler Menschen in der Region für ihren Fluss wertgeschätzt“, kommentiert Georg Kestel, der sich sowohl beruflich als auch ehrenamtlich für die frei fließende Donau einsetzt.
Mit Herzblut und Sachverstand für den Umweltschutz
„Die von Kestel angefertigten Stellungnahmen und sonstigen Diskussions-oder Medienbeiträge mit stets hoher, fachlich kaum angreifbarer Qualität haben einen entscheidenden Anteil daran, dass die Position und die Argumente der Verbände und Initiativen in der politischen Auseinandersetzung und in der Öffentlichkeit überzeugten. Sein herausragendes Engagement, die ökologische und gesellschaftliche Bedeutung der Fluss-und Auenlandschaft fachlich aufzubereiten und zu kommunizieren, hat die Jury begeistert. Wir hoffen, dass dieses Beispiel weitere Engagierte in ganz Deutschland motiviert, sich für den Umweltschutz einzusetzen und dabei Durchhaltevermögen und Ausdauer zu zeigen“, erklärt Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, die Jury-Entscheidung. Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V., freut sich, dass „Georg Kestel, der sich als langjähriger Vorsitzender der BUND NaturschutzKreisgruppe Deggendorf mit an erster Stelle für die Erhaltung der frei fließenden Donau eingesetzt hat, einen so bedeutenden Preis erhält. Damit wird das herausragende Engagement Kestels, des BUND Naturschutz sowie aller Aktiver für den Donauschutz auch überregional anerkannt. Georg Kestel hat mit großer Fachkompetenz die alternativen flussbaulichen Maßnahmen gegenüber dem Stau des Flusses mit durchgesetzt.“
Flüsse und ihre Auen – wichtige Ökosysteme
Flüsse und ihre Auen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa und spielen eine zentrale Rolle für den Biotopverbund. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine Reihe für Mensch und Natur essentielle Ökosystemdienstleistungen aus: Sie fungieren als nachhaltiger Hochwasserschutz, sind wichtig für die Selbstreinigung der Gewässer sowie für den Rückhalt von Treibhausgasen. Diese Funktionen zu erhalten und wo möglich wiederherzustellen, ist eine große Zukunftsherausforderung. Denn Flusslandschaften sind heute die am stärksten bedrohten Lebensräume überhaupt. Mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ehrt und unterstützt die Schweisfurth Stiftung engagierte Privatpersonen, die sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort einsetzen und damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung retten.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Hubert Weiger (Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V.), Georg Kestel (Preisträger) und Dr. Niels Kohlschütter (Vorstand der Schweisfurth Stiftung)
Copyright: Schweisfurht Stiftung
Preisträger 2019: Jonathan Rauhut
Naturschutzpreis für die Rettung des Zwischenoderlands
Für seine Verdienste um die Rettung des Zwischenoderlands
hat der Umweltwissenschaftler und Naturschützer Jonathan Rauhut den mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreis erhalten. Die Auszeichnung für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften wird jährlich von der Schweisfurth Stiftung verliehen, Gastgeber der diesjährigen Preisverleihung war gestern Abend das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn.</em)
Naturschutz jenseits nationaler Grenzen
„Die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften in Deutschland ist geprägt vom herausragenden Einsatz engagierter Privatpersonen. Sie setzen sich aktiv für den Schutz der Auen vor Ort ein und retten damit Ökosysteme von überregionaler Bedeutung“, davon ist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung, überzeugt.
Der Preisträger selbst, Jonathan Rauhut, schwärmt von seiner Wirkungsstätte: „Als ich vor 15 Jahren die Oder entdeckte, war ich begeistert. Das hat bis heute kein bisschen nachgelassen. Wer hätte gedacht, dass es Flussauen mitten in Mitteleuropa gibt, in denen Elch, Weißflügelseeschwalbe, Schreiadler und Bienenfresser nebeneinander vorkommen?“
Mehrfach hart umkämpft wurde das Zwischenoderland (poln.: Międzyodrze) in seiner Geschichte: Nach einer Eindeichung in den 1930er Jahren zu Gunsten der Landwirtschaft, verfielen die Polder nach dem zweiten Weltkrieg. 2015 wurden jedoch erneut Pläne zu einer Eindeichung des Gebiets sowie eines weiteren Ausbaus der Oder beschlossen. Daraufhin folgte eine intensive deutsch-polnische Zusammenarbeit auf behördlicher sowie auf gesellschaftlicher Ebene, die mittels wissenschaftlicher Gutachten und unermüdlicher Aufklärungsarbeit zum Hochwasserschutz die Eindeichung des Zwischenoderlands verhinderte. Vorangetrieben wurde diese Zusammenarbeit von der „Stepnicka Organizacja Turystyczna“, der „Towarzystwo Przyjaciól Rzek Iny i Gowienicy“, organisiert in der polnischen Verbände-Koalition zur Rettung der Flüsse „Koalicja Ratujmy Rzeki“, sowie von den unter dem Dach des Deutschen Naturschutzrings (DNR) vernetzten Verbänden BUND, WWF, DUH, NABU, Heinz-Sielmann-Stiftung und dem Verein der Freunde des Deutsch-Polnischen Europa-Nationalparks Unteres Odertal.
Preisträger Rauhut wünscht sich, dass die Oder ein Ort der Begegnung wird, an dem alle Interessengruppen eines Tages stolz darauf sind, dass sie gemeinsam die Schönheit und Wildnis der Oderauen für ihre Kinder bewahrt haben. „Vorbild sind für mich hier meine Kolleg*innen Iwona Krępic, Ewa Leś, Artur Furdyna, Florian Schöne und Sascha Maier, die es auf faszinierende Weise geschafft haben, Brücken zwischen Akteuren mit eigentlich gegensätzlichen Interessen zu bauen“, so Rauhut.
Der Preisträger überzeugte durch sein unermüdliches Engagement
Vorgeschlagen für den Preis wurde Jonathan Rauhut vom politischen Geschäftsführer des DNR, Florian Schöne: „Jonathan Rauhut ist es durch sein unermüdliches Engagement gelungen, eine Vielzahl an Verbänden und Fachleuten aus Polen und Deutschland auf das Zwischenoderland und seine Gefährdung aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit einer Allianz an Akteuren beidseits der Oder konnte er die damaligen Planungen der polnischen Wasserwirtschaftsbehörden mit ihren unzutreffenden Argumenten zum Hochwasserschutz aufdecken und durch die Koordination eines alternativen Gutachtens eine unabhängige Prüfung veranlassen. Damit hat Jonathan Rauhut wesentlich dazu beigetragen, dass die naturschutzfachlich äußerst kritische Eindeichung des Zwischenoderlands als Kernzone des polnisch-deutschen Schutzgebietsverbundes „Unteres Odertal“ verhindert werden konnte. Dies ist ein großer Erfolg für Hochwasserschutz und Naturschutz in Polen, Deutschland und Europa.“
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Jonathan Rauhut (Preisträger)
Copyright: U. Euler/BfN
Preisträgerin 2018: Dr. Margret Bunzel-Drüke
Nachhaltiger Auenschutz – vom Fisch bis zum Weiderind
Am 26. Oktober 2018, wurde in der Düsseldorfer Grey Schule der mit 20.000 Euro dotierte Wolfgang Staab-Naturschutzpreis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften verliehen. Als Biokorridore, Hochwasser- und Dürreschutz und bei der Anreicherung und Reinigung des Grundwassers spielen Auen eine herausragende Rolle für Mensch und Umwelt.
Naturschutz jenseits von Disziplinen gedacht
Von der Renaturierung des Flusses Lippe und seiner Auen über Fischökologie und Ornithologie bis hin zu naturnaher Beweidung durch Rinder und Pferde reicht das beachtliche Arbeits- und Forschungsspektrum der diesjährigen Preisträgerin Dr. Margret Bunzel-Drüke. Mit ihrem multidisziplinären Ansatz überzeugte sie die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Stifterin des Preises, Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie). Die Naturschützerin engagiert sich seit über 30 Jahren im Verein Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) im Kreis Soest als Projektleiterin und Wissenschaftlerin. Ihre Forschungsinteressen haben sich im Lauf der Jahre entwickelt, sagt die Flussexpertin: „Man kommt vom Hölzchen auf’s Stöckchen, vom Eisvogel auf die Fische, von den Fischen auf die Fließgewässer, von dort auf natürliche Dynamik und dadurch auf den Einfluss der großen Weidetiere – alles hängt irgendwie zusammen.“
Bunzel-Drüke ist Buchautorin, arbeitet aktuell eine Analyse zum Fischbestand der Lippe unter Federführung des Landesfischereiverbands und ist in einem Renaturierungs-Projekt der Lippe aktiv. Ihre Motivation und Kreativität scheint unerschöpflich – wenn die Pragmatikerin doch mal auf einem Weg nicht vorankommt, dann findet sie rasch eine neue Lösung.
Anerkennung von höchster Stelle
Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, würdigte Dr. Margret Bunzel-Drüke in seiner Laudatio für ihr vielseitiges Engagement: „Das Denken in biologischen Kreisläufen zum Beispiel von den Quappen bis hin zu den Fischen“ zeichnet die Preisträgerin besonders aus. Ihr Einsatz für die neue Nutzung von Überschwemmungsgebiete durch Weiderinder und Pferde führt zur Freihaltung von Flächen und der Zunahme von Biodiversität.“
„Privatpersonen, die Impulse geben, kritische Fragen stellen und die Rolle des Natur-und Umweltschutzes im gesamtökologischen Kontext immer wieder neu denken und thematisieren sind wesentlich für die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften“, davon ist Prof. Franz-Theo Gottwald überzeugt.
Foto (v.l.n.r.): Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie) mit der Preisträgerin Dr. Margret Bunzel-Drüke, der Stifterin Dr. Dorette Staab und Dr. Heinrich Bottermann (Staatssekretär Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW).
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Preisträger 2017: Nikolaus Geiler und Wolfgang E. A. Stoiber
Mit Forschung und Musik im Einsatz für den Auenschutz
Am Freitag, 13. Oktober 2017, wurde in Rastatt bei Karlsruhe der mit 20.000 Euro dotierte Wolfgang Staab-Naturschutzpreis für besondere Leistungen zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung in Fluss- und Auenlandschaften verliehen. Preisträger sind in diesem Jahr die zwei Umweltaktivisten und Naturschützer Nikolaus Geiler und Wolfgang E. A. Stoiber.
Naturschutz als Generationenprojekt
Nikolaus Geiler überzeugte die dreiköpfige Jury, bestehend aus der Stifterin des Preises, Dr. Dorette Staab, Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung) und Prof. Dr. Emil Dister (Aueninstitut am Karlsruher Institut für Technologie) mit seinem Engagement in Theorie und Praxis. Der Gewässer-Biologe ist Gründer der Aktion „Rettet den Rhein“ und ist damit maßgeblich daran beteiligt, dass heute wieder Lachse im Rhein schwimmen. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erstellte er zahlreiche Studien zum naturnahen Hochwasserrückhalt sowie zur Auenrevitalisierung. Außerdem ist er Herausgeber des BBU-WASSER-RUNDBRIEFES und Sprecher des Arbeitskreises Wasser des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU). Jenseits des Schreibtisches setzt sich der Preisträger unter anderem aktiv für die Pflanzen- und Tierwelt an der Dreisam in Freiburg ein. Dabei ist es ihm ein Anliegen, die junge Generation im Rahmen von Projekten mit Schulklassen an den Gewässerschutz heranzuführen. Bei der regionalen Arbeit verliert Geiler jedoch die globale Dimension nicht aus dem Blick. „Wir müssen uns auch in der Gewässerschutzpolitik viel mehr Gedanken darüber machen, welche Verantwortung wir gegenüber Entwicklungs- und Schwellenländer haben, wenn es um eine sozial und ökologisch akzeptable Produktion geht“.
Dr. Brigitte Dahlbender, Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg des BUND würdigte Nikolaus Geiler in ihrer Laudatio für sein zielorientiertes Engagement: „Er legt den Finger in die Wunde, bringt die Gegenseite, aber auch seine Verbündeten zum Nachdenken und zeigt Wege auf, die richtige Lösung umzusetzen.“
Kulturprojekte für die Renaturierung der Weißen Elster
Den zweiten Preisträger Wolfgang E. A. Stoiber beschrieb Dr. Nils Franke, Sprecher der Regionalgruppe Sachsen des Bundesverbands Beruflicher Naturschutz e. V., in seiner Laudatio als „energiegeladen, ideenreich, teilweise völlig unorthodox, strategisch höchst geschickt und ehrenamtlich arbeitend bis zum Anschlag“. Der ehemalige Metzgermeister hat sich dem Naturschutz des Leipziger Auwalds und der weißen Elster verschrieben. Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Vereins Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (NuKLA e.V.), der sich als Schnittstelle zwischen „Natur, Kultur, Ökologie und Ökonomie“ sieht. Das Hauptziel ist die Renaturierung der Weißen Elster zwischen Zeitz und Halle/Merseburg. Mit dem AULA-PROJEKT2030 soll eine beispielhafte Verbindung von integriertem Hochwasserschutz, Naturschutz und sanftem Tourismus geschaffen werden. Neben 37 Konzerten, die der Verein bereits organisiert hat, finden regelmäßig Aktivitäten im NuKLA Bildungswerk statt. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule werden Umweltbildungskurse und Auwald-Exkursionen angeboten. Um den fachlichen Austausch zu unterstützen, fanden im Frühjahr 2017 erstmals das Auenökologiesymposium sowie die AULA-Citytagung statt.
„Privatpersonen, die Impulse geben, kritische Fragen stellen und die Rolle des Natur-und Umweltschutzes in der Konkurrenz um Ressourcen und Flächen immer wieder thematisieren sind wesentlich für die nachhaltige Entwicklung von Fluss- und Auenlandschaften“, ist Prof. Franz-Theo Gottwald überzeugt. Große Freude hatten Jury und Gastgeber Prof. Dr. Florian Wittmann, seit 2016 Leiter des Rastätter Aueninstituts, deshalb mit dem steigenden Interesse der jüngeren Generationen am Naturschutzpreis.
Foto (v.l.n.r.): Wolfgang E. A. Stoiber (Preisträger), Dr. Nils Franke (Laudator), Dr. Dorette Staab (Stifterin), Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald (Vorstand der Schweisfurth Stiftung), Nikolaus Geiler (Preisträger), Dr. Brigitte Dahlbender (Laudatorin), Prof. Dr. Emil Dister (Juror, ehemals KIT-Aueninstitut)
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Preisträger 2016: Klaus Markgraf-Maué
Das Leben an die Flüsse zurückbringen: Verleihung des Wolfgang Staab-Preises 2016
Lang wurde der Rhein als reine Wasserstraße für den Schiffsverkehr gesehen, seine Ufer wurden verbaut und die Auen zerstört. Das wollte Flussexperte Klaus Markgraf-Maué nie hinnehmen. Seit 20 Jahren widmet sich der studierte Biologe und Geograf bei der NABU-Naturschutzstation Niederrhein der Renaturierung ursprünglicher Auenlandschaften. Für seine Arbeit erhielt der Flussexperte am 10. Juni 2016 den diesjährigen Wolfgang Staab-Naturschutzpreis bei einem Festakt in den Räumen der Schweisfurth Stiftung in München.
Klaus Markgraf-Maue: Ein Pionier, der andere mitreißt
„Dass man am Rhein, an der meistbefahrenen Wasserstraße Deutschlands, Renaturierungsprojekte durchführen kann, ist nicht selbstverständlich“, betonte NABU-Präsident Olaf Tschimpke in seiner Laudatio auf den Preisträger. Die wachsende Bereitschaft der zuständigen Behörden, solche Vorhaben des NABU zuzulassen und zu unterstützen, verdanke man Pionieren wie Markgraf-Maué. Tschimpke würdigte den Flussexperten als mitreißenden Motivator, der es immer verstanden habe, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Seine Arbeit und seine „nie verkniffene, immer positive Art“ hätten dazu geführt, dass die Fluss- und Auenschutzprojekte wachsende Anerkennung fänden.
Der Rhein kann wieder mehr sein als eine Wasserstraße
Die Rede des Preisträgers Klaus Markgraf-Maué wurde geprägt von einem Blick auf zukünftige Projekte und Ziele. Trotz der wichtigen Rolle des Rheins als Verkehrsweg sei es möglich, ihn auch als wertvollen Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanzen zu erhalten und zu renaturieren. Gebremst werde dieser Prozess aber oft von bürokratischen Hürden, deren Abbau sich der Preisträger wünscht. „Viele lokale Projekte stoßen auf große Hindernisse in der Verwaltungsstruktur, die zu bewältigen uns viel Zeit und Geld kostet.“ Dass er sich von solchen Verzögerungen nicht entmutigen lässt, zeigt Markgraf-Maués erfolgreiche Arbeit in vielen Projekten, beispielsweise im Naturschutzgebiet Emmericher Ward am Niederrhein.
Foto (v.l.n.r.): Klaus Markgraf-Maue (Preisträger) und Olaf Tschimpke (Laudator)
Copyright: Schweisfurth Stiftung
Preisträger 2015: Ulrich Eichelmann
Herausragendes Engagement: Ulrich Eichelmann erhält Naturschutzpreis
Ulrich Eichelmann, Umweltaktivist, Filmemacher und Geschäftsführer der international tätigen NGO RiverWatch, wurde am 24. Juni 2015 in Rastatt als erster Preisträger mit dem Wolfgang Staab-Naturschutzpreis ausgezeichnet.
Eichelmann, geboren 1961 in Nordrhein-Westfalen, ist ein Kämpfer, der Dinge bewegen und Spuren hinterlassen will. Ein kreativer Stratege und unbequemer Zeitgenosse, der gerne und ausdauernd gegen den Strom schwimmt.
Naturzerstörung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes
Der studierte Landespfleger arbeitete unter anderem 17 Jahre lang als Wasserexperte beim WWF Österreich. Er leitete die Kampagne Stop Ilisu gegen das Staudammprojekt Ilisu am Tigris in der Türkei. Für seinen Film „Climate Crimes − Umweltverbrechen im Namen des Klimaschutzes“ beschäftigten sich Eichelmann und sein Team mit dem rasanten Ausbau von Wasserkraft, Biogas und Biodiesel.
Der Bau immer neuer Staudämme und Wasserkraftwerke sei momentan die größte Bedrohung für die Flüsse, so Eichelmann in seiner Dankesrede. Die zumindest abschnittsweise noch intakten Flusslandschaften auf dem Balkan etwa sollen dem Bau von 2.000 neuen Kraftwerken geopfert werden. Weltweit würden über 100 Milliarden Dollar jährlich in den Neubau von Wasserkraftwerken investiert. Das sei Naturzerstörung im Namen des Klimaschutzes.
Foto (v.l.n.r.): Ulrich Eichelmann (Preisträger) und Dr. Dorette Staab (Stifterin)
Copyright: Schweisfurth Stiftung
Kurz & knapp
Projektübersicht
Projekt: Wolfgang Staab-Naturschutzpreis
Laufzeit: seit 2015
Wirkungskreis: Europa
Zielgruppe: Umweltschützer:innen, die im Bereich des Fluss- und Auenschutzes aktiv sind
Maßnahmen: Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Wolfgang Staab-Naturschutzpreises
Kontakt
Nora Klopp
Projektmanagerin Netzwerk
T 089 17 95 95 15
nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Bewerbungs- und Nominierungsformular
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Bewerbungen und Nominierungen bitte per Post an
Schweisfurth Stiftung
z.Hd. Nora Klopp
Rupprechtstraße 25
80636 München
oder per E-Mail an:
Nora Klopp, nklopp@schweisfurth-stiftung.de
Projektpartner:innen: